Erbschaftssteuer
Wie Eltern intelligent schenken können

In wenigen Monaten wird die Erbschaftsteuer auf Immobilien deutlich erhöht. Eltern, die jetzt Vermögen übertragen, können ihren Kindern viel Geld sparen.

Um Meinungen kann man streiten, um Weltanschauungen und um Geschmack - am heftigsten aber ums Geld. 235 Milliarden Euro werden allein in diesem Jahr in Deutschland vererbt und verschenkt, und kaum ist die Schenkung zu Lebzeiten vollzogen oder das Testament des Verblichenen verlesen, folgen oft erbitterte Auseinandersetzungen. Selten, weil sich die Beschenkten als undankbare Gören erweisen; ständig, weil die Erben sich untereinander ums Tafelsilber streiten.

Der Ärger nimmt zu, schon weil das zu verteilende Privatvermögen der Deutschen rapide wächst: von derzeit 10 Billionen auf rund 14 Billionen Euro im Jahr 2015. Von diesem Kuchen möchte sich auch der Finanzminister ein größeres Stück abschneiden. Dazu muss er nicht einmal aktiv werden, vermutlich hilft ihm das Bundesverfassungsgericht. Die Richter wollen "im vierten Quartal" die jahrzehntelang diskutierte Frage beantworten, ob es mit der Verfassung im Einklang steht, dass Immobilienerben im Schnitt nur 70 Prozent des Marktwerts ihres Erbes versteuern müssen, während die Empfänger von Wertpapieren und Sparkonten den aktuellen Wert komplett zu Grunde legen müssen.

Kaum einer zweifelt noch an der Antwort: "Das Ergebnis des Verfahrens ist absehbar", meint Klaus Fella, Steueranwalt der Kanzlei FSR in Erlangen, die Verfassungshüter werden das jetzt noch gültige Erbrecht kippen. Die Regierung hat bereits angekündigt, zum Jahreswechsel die Regeln zu ändern. Und das wohl schon rückwirkend zum Tag der Urteilsverkündung. Rückwirkend, dürfen die das? Ja, die dürfen das. Sobald das Urteil raus ist, muss jeder damit rechnen, dass sich die Regeln ändern. Juristen sagen: Ab dann gilt kein Vertrauensschutz mehr, niemand kann sich mehr darauf berufen, auf das bestehende Recht vertraut zu haben.

Wer wertvolle Immobilien erbt oder geschenkt bekommt, muss künftig auf jeden Fall mehr an den Fiskus zahlen (zu den Freibeträgen siehe Tabelle "Verwandte im Vorteil", nächste Seite). Einziges Schlupfloch: Eltern übertragen ihre Immobilie schon in den nächsten Monaten an ihre Lieben und sichern ihnen so die auslaufenden Vorzugskonditionen. Doch Vorsicht: Schenkungen müssen gut geplant sein, damit Eltern im Alter versorgt und gegen Streitigkeiten gewappnet sind.

"Günstiger wird's nicht mehr für Immobilienerben", sagt Franz Lauck, -Georg Erbrechtsanwalt in Dresden. Die Frage ist nur noch, wie hoch die Steuern steigen. Im schlechtesten Fall muss künftig der volle Immobilienwert versteuert werden, ohne dass steigende Freibeträge oder sinkende Steuersätze die Belastung abfedern. Wenn zwei Kinder eine Immobilie im Wert von 750 000 Euro erben oder geschenkt bekommen, bekäme das Finanzamt statt 2 800 Euro künftig 37 400 Euro (siehe Seite 3: Beispielrechnung / Tabelle "2007 höhere Steuern"). Als Kinder steht ihnen immerhin noch der nach dem Gattenfreibetrag zweithöchste Freibetrag von 205 000 Euro zu.

Bei Enkeln, Nichten und Neffen und erst recht bei Lebensgefährten und Herzensfreunden statt Blutsverwandten sieht das viel schlechter aus. "Manche Erben werden wegen der höheren Steuern wohl zu Notverkäufen gezwungen sein", fürchtet Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland. Wer das bevorstehende Urteil zum Anlass nimmt, über den Gang alles Irdischen im eigenen Haus nachzusinnen, sollte drei Punkte schleunigst klären. Denn eine Immobilie ist erst dann übertragen, wenn es der Notar beurkundet hat.

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