Erbschaftsteuer
Familienunternehmer fürchten die Erbschaftsteuer

Überraschend kam das Urteil des Bundesverfassungsgericht nicht, doch bei familiengeführten Unternehmen sorgt es für Verunsicherung. Viele rechnen mit steigenden Belastungen und sie haben nur allem einen Wunsch.
  • 1

DüsseldorfNach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts blicken viele deutsche Familienunternehmen pessimistisch auf ihre künftige Steuerbelastung. In einer Blitzumfrage unter 124 familiengeführten Unternehmen gaben 72,7 Prozent an, dass die Erbschaft- und Schenkungsteuerbelastung für Unternehmensvermögen steigen werde.

Am Mittwoch hatten die Verfassungsrichter einige Teile des Erbschaftsteuergesetzes für verfassungswidrig erklärt. Allerdings gestehen sie dem Gesetzgeber weiterhin zu, kleine und mittlere Unternehmen, „die in personaler Verantwortung geführt werden“, steuerlich zu begünstigen, um Arbeitsplätze zu erhalten. Steuerexperten zeigten sich im Hinblick auf die Belastung kleiner und mittlerer Unternehmen erleichtert. Für diese Firmen werde sich wenig ändern, weniger Vorteile würden künftig jedoch große mittelständische Familienkonzerne haben.

Moniert hatten die Verfassungsrichter insbesondere, dass es für die steuerliche Schonung größerer Unternehmen bislang keine Bedürfnisprüfung gebe. Zudem kritisierten sie, dass Erwerber von Betrieben mit bis zu 20 Beschäftigten unverhältnismäßig privilegiert würden. Schuld daran sei die aktuelle Lohnsummenregelung. Die soll eigentlich sicherstellen, dass auf den Übergang eines Betriebs keine Entlassungswelle folgt. Doch für Unternehmen mit maximal 20 Mitarbeitern gilt die Regel nicht. Besonderen Änderungsbedarf sehen die Richter auch bei der Regelung zum Verwaltungsvermögen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RSM Deutschland GmbH hatte am Nachmittag nach der Urteilsverkündung eine Blitzumfrage gestartet. Befragt wurden Unternehmen mit mindestens 50 Mitarbeitern, bei denen mehr als 25 Prozent der Anteile in Familienbesitz und Familienmitglieder im Management sind. 58,1 Prozent der Befragten meinen, die Freistellungsgrenze solle künftig weiter bei mindestens 20 Beschäftigten liegen.

Die befragten Unternehmen sind nicht nur der Ansicht, dass künftig die Belastung für Unternehmensvermögen steigen werde. 62,1 Prozent glauben, dass zusätzlich die Belastungen aus Erbschaft- und Schenkungsteuer für Privatvermögen wachsen. Handlungsbedarf sehen daneben 61,8 Prozent bei der Einkommensteuer – anders als bei der Gewerbesteuer (37,4 Prozent), der Umsatzsteuer (27,6 Prozent) oder der Körperschaftsteuer (25,2 Prozent).

Seite 1:

Familienunternehmer fürchten die Erbschaftsteuer

Seite 2:

Firmen verschieben ihre Nachfolgeplanung

Kommentare zu " Erbschaftsteuer: Familienunternehmer fürchten die Erbschaftsteuer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Warum verschenken, vererben,...?

    Wieso Erbschafts- und Schenkungs-Steuer überhaupt?

    Das ist doch nichts anderes als legalisierter Staatsdiebstahl an Familien-Eigentum.

    Selbst-Bediener am Familien-Eigentum.

    Zig-mal bereits versteuertes Geld, Vermögen,.... soll noch einmal "beklaut" werden.

    Wie bei Renten. Die Raffgier der Politiker/Innen und Staats-Ma... ist maßlos.
    Da sind sich Kirchen und Staat einig.
    Warum verkaufen die Eltern, die Eigentümer,... nicht einfach das Unternehmen für einen ( 1)
    Euro?

    Siehe Karstadt und N. Berggruen, u.a.

    Fristen bei Vererbung, Schenkung, .... entfallen.
    Pflichtteile an unerwünschte Erben, usw., auch.

    Ob 1 Euro oder 1000 Mrd. Euro keine Erbschafts-Steuer für zig-faches versteuertes Familien-Vermögen.

    Keine Steuertrickserei, - Betrügerei a la Junker und Co..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%