Erbschaftsteuer
So bleibt das geerbte Haus steuerfrei

Wenn Kinder das Haus der Eltern erben und es selbst bewohnen wollen, müssen sie für die Immobilie in der Regel keine Erbschaftsteuer zahlen. Auch bei einem verspäteten Umzug darf der Fiskus nicht kassieren.

München„Oma ihr klein Häuschen soll steuerfrei bleiben“, so lautete einer der Kernsätze des damaligen Finanzministers Peer Steinbrück (SPD), als die große Koalition 2009 die bislang letzte Erbschaftsteuerreform verabschiedete. Seitdem gilt: Kinder oder Enkel, deren Eltern bereits verstorben sind, können das Familienheim steuerfrei erben, wenn sie es

  1. unmittelbar nach dem Erbfall selbst beziehen und
  2. die Immobilie mindestens zehn Jahre lang selbst nutzen.

Allerdings müssen sich Kinder und Enkel – im Gegensatz zum Ehe- oder Lebenspartner – eine Obergrenze für die Größe der Wohnung gefallen lassen. Die Steuerfreiheit gibt es nur für Wohnraum bis zu 200 Quadratmeter. Ist die Wohnung größer, kassiert das Finanzamt für den übersteigenden Anteil Erbschaftsteuer.

Einfach ist die Angelegenheit immer dann, wenn ein Erbe allein das Haus zugesprochen bekommt. Kompliziert wird es, wenn es sich um eine Erbengemeinschaft handelt. So war es auch in einem Fall, der jetzt vor dem Bundesfinanzhof gelandet ist: Sohn und Tochter hatten verschiedene Grundstücke vom Vater geerbt, außerdem das Zweifamilienhaus, in dem der Vater bis zu seinem Tod mit seiner Tochter gewohnt hatte.

Die andere Wohnung im Gebäude war fremdvermietet.

Gut ein Jahr nach dem Tod seines Vaters zog der Sohn gemeinsam mit seiner Ehefrau in dessen Wohnung ein. Mit einer sogenannten Erbauseinandersetzung hoben die Geschwister die Erbengemeinschaft am Grundbesitz auf und teilten die Grundstücke untereinander auf.

Das Finanzamt jedoch berechnete die Steuerbefreiung für die selbst genutzte Wohnung entsprechend der Beteiligung des Klägers als Miterbe – also zur Hälfte. Die angerufenen Gerichte sahen dies anders. Der Bundesfinanzhof entschied, dass sich das steuerbefreite Vermögen durch die Erbauseinandersetzung erhöht habe (Az.: II R 39/13). Daher sei die Steuerbefreiung auf den gesamten Wert des Grundstücks auszudehnen. Der Miterbe müsse so behandelt werden, als habe er von Anfang an begünstigtes Vermögen erhalten.

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Zweifel an Verfassungsmäßigkeit

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