Ermittler stürmen Fluchtburgen der Steuersünder im Ausland
Mallorca im Visier der Steuerfahnder

Die rosigen Zeiten für Steuersünder, die ihr Schwarzgeld im Ausland investiert haben, sind vorbei. Deutsche Ermittler stellen ihnen jetzt auch auf fremdem Boden nach.

DÜSSELDORF. Schwarzgeldbesitzer, die ihr Vermögen im sonnigen Süden angelegt haben, müssen sich warm anziehen. Deutsche Ermittler tauchen jetzt vermehrt im Ausland auf, berichten Steueranwälte und-fahnder. Michael Streck, der Präsident des Deutschen Anwaltvereins, warnt: "Auf mediterrane Zurückhaltung bei Steuerfahndungseingriffen sollte niemand mehr bauen."

Damit bewahrheitet sich die Ankündigung von Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD), "Fluchtburgen für Steuerhinterzieher" in Europa stürmen zu wollen. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft (DStG) frohlockt: "Rund acht Milliarden Euro können auf diese Weise eingetrieben werden", sagt DStG-Chef Dieter Ondracek.

Spanier übergeben Liste über Immobilienbesitz

Zusätzliche Brisanz erfahren die neuen Fahndungsaktivitäten dadurch, dass die Ermittler seit kurzem auf konkrete Informationen der spanischen Behörden zurückgreifen können. Nach Informationen des Handelsblatts haben spanische Fahnder dem Bundesfinanzministerium bereits vor Monaten umfangreiche Listen über den Immobilienbesitz Deutscher in Spanien übergeben. Jetzt liegen die Listen bei den zuständigen Steuerfahndungsstellen. Dort werden sie intensiv auf Indizien für Steuerbetrug untersucht. Zugleich verschicken die Finanzbehörden seit kurzem flächendeckend Fragebögen an Finca-Besitzer, in denen diese aufgefordert werden, detailliert darüber Auskunft zu geben, wie sie ihr Haus finanziert haben. Allein in Spanien gibt es 400 000 deutsche Immobilienbesitzer.

Die erste Welle der Auslandseinsätze ist bereits angelaufen. Nach Aussage von Streck sind allein in seiner Kanzlei in jüngster Zeit mehrere Fälle vorgekommen, in denen deutsche Fahnder in Spanien Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt und sodann mit Hilfe spanischer Kollegen unmittelbar vor Ort durchsucht haben. Bestätigt wird dies von Alexander Knüppel, Leiter des Finanzamts für Steuerstrafsachen in Köln: "Die Zahl der Auslandseinsätze für meine 90 Fahnder hat im Vergleich zu den vergangenen Jahren deutlich zugenommen."

Seit Januar waren seine Leute schon bei Durchsuchungen von Firmen und Immobilien deutscher Staatsbürger in Österreich, Italien, den Niederlanden, Frankreich und vor allem Spanien. Zwar dürfen deutsche Beamte in fremden Ländern nicht hoheitlich tätig werden. Im Rahmen von Amts- und Rechtshilfeersuchen können sie die ausländischen Kollegen bei wichtigen Fällen aber begleiten - und diesen Wünschen, so Knüppel, werde "immer häufiger" entsprochen. Deutsche Steuerfahnder arbeiten derweil die Immobilienlisten aus Spanien ab. Allein die Ermittler in Köln haben spanische Grundbuchauszüge von Hunderten Immobilienbesitzern im Rheinland erhalten. Bei kleineren Fällen, etwa bei Wohnungen im Wert von bis zu 100 000 Euro, werden Kontrollmitteilungen an die Finanzämter geschickt. Um Villenbesitzer kümmern sich die Steuerfahnder selbst. Knüppel: "Da wird sich noch so mancher wundern, wenn er von uns auf Mallorca plötzlich besucht wird."

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