Fahnder haben die Daten einer weiteren Bank
Steuer-Ermittlungen weiten sich aus

Die Affäre rund um Steuerhinterziehungen über Liechtenstein weitet sich weiter aus. Inzwischen sollen die Ermittler nicht mehr nur mindestens 1 400 deutsche Anleger bei der LGT-Bank im Visier haben, sondern über zusätzliche Daten mindestens eines weiteren Finanzinstituts verfügen.

HB BERLIN. Allein in dem LGT - Material tauchen nach einem Medienbericht 1 400 deutsche Anleger auf. Bis zu 20 Mitarbeiter deutscher und liechtensteinischer Finanzinstitutionen stehen demnach im Verdacht, an Steuerhinterziehungsmodellen mitgearbeitet zu haben. Auch die USA sollen die Daten erhalten und bereits im vergangenen Sommer 50 Verfahren eingeleitet haben. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach sich am Samstag für eine strenge Verfolgung der Steuersünder aus.

Bei dem Informanten, der die LGT-Daten dem Bundesnachrichtendienst (BND) verkauft hatte, handelt es sich nach Medienberichten doch um jenen ehemaligen LGT-Beschäftigten, der im Fürstentum bereits 2004 wegen Datendiebstahl vor Gericht gestanden hatte. Die Magazine "Der Spiegel" und "Focus" berichteten am Samstag ausführlich über den 42- Jährigen und sein Geschäft mit dem BND. Demnach war er von der LGT beauftragt, das Papierarchiv zu digitalisieren, und hatte deshalb Zugang zu den sensiblen Daten.

Laut "Süddeutscher Zeitung" (Samstag) gab er sich bei seiner Kontaktaufnahme mit Pullach in einer E-Mail am 24. Januar 2006 als Frau aus und tarnte sich mit einem falschen Namen. Das Kanzleramt war laut "Spiegel" seit dem 14. Dezember 2006 informiert. Nach einer Probelieferung an den BND übergab der Mann demnach am 12. Juni 2007 Wuppertaler Steuerfahndern bei einem vom BND abgeschirmten Treffen persönlich die DVDs mit den Daten. "Focus" berichtete, er habe vom BND zwei falsche Pässe erhalten, nachdem das Bundeskriminalamt (BKA) es abgelehnt habe, ihn ins Zeugenschutzprogramm aufzunehmen. Das BKA wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Das den Behörden vorliegende Material besteht laut "Spiegel" aus 4527 Datensätzen der LGT über Stiftungen und Institutionen, darunter denen von etwa 1400 Deutschen. Allerdings liegen sie offensichtlich nicht allein der federführenden Bochumer Staatsanwaltschaft vor. Seiner Behörde seien "mehrere hundert Datensätze bekannt", sagte Oberstaatsanwalt Hans Krück-Ulrich auf dpa-Anfrage. "Ob so viele Daten (insgesamt) in der Republik sind, weiß ich nicht." Laut "Spiegel" sollen rund 65 Prozent der Stiftungen noch existieren.

Der Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bienioßek bestätigte der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) aber, dass die Behörde neben den deutschen Kundendaten der LGT noch die einer weiteren Bank hat. "Wir haben eine zweite Liechtensteiner Bank im Visier", sagte er. Bienioßek schloss allerdings aus, dass es sich dabei um die Liechtensteinische Landesbank LLB handelt.

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