Faible für Zinsen
Die Gewinner und Verlierer der neuen Abgeltungsteuer

Nach langem Geschacher hat der Bundestag Ende Mai die Abgeltungsteuer von 26,4 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag) auf Zinsen, Dividenden und Aktiengewinne verabschiedet. Die endgültige Entscheidung fällt der Bundesrat im Juli, wesentliche Änderungen sind nicht mehr zu erwarten.

Die Koalitionäre verschärften die Steuer auf den letzten Metern noch und bauten bürokratische Hürden ein, sodass die von 2009 an geltende Neuregelung weit hinter dem Ziel einer Steuervereinfachung zurückbleibt.

Positiv ist sie trotz allem für Anleger mit hohem Steuersatz und einer Vorliebe für Sparbücher und Anleihen. Denn für Zinsen über dem Sparerfreibetrag von 801 Euro für Ledige (1 602 Euro für Verheiratete) zahlen sie künftig 26,4 Prozent statt wie heute bis zu 44,3 Prozent (jeweils ohne Kirchensteuer).

Die großen Verlierer der Reform sind die Aktionäre. Derzeit zahlen selbst Spitzenverdiener maximal 22,2 Prozent Steuern auf Dividenden, weil nur die Hälfte steuerpflichtig ist. Von 2009 an müssen sie die komplette Dividende mit dem Abgeltungssatz von 26,4 Prozent versteuern. Zudem wird die Spekulationsfrist abgeschafft: Wer Aktien mit Gewinn verkauft, muss künftig also auch Steuern zahlen, wenn die Papiere länger als ein Jahr im Depot lagen.

Und das ist noch nicht alles: Auf den letzten Metern haben die Finanzpolitiker beschlossen, dass Aktienverluste künftig in der Steuererklärung nicht wie ursprünglich geplant auch von Zinsen und Dividenden abgezogen werden dürfen. Stattdessen bleibt es bei der alten bürokratischen Regelung, Verluste dürfen damit auch nach 2008 nur mit Spekulationsgewinnen verrechnet werden.

Die positiven Aspekte der Reform für Aktionäre sind damit rar geworden. Der wichtigste ist die Übergangsregelung. Aktien, die vor dem 1. Januar 2009 im Depot liegen, dürfen bei abgelaufener Jahresfrist auch später steuerfrei veräußert werden - egal, ob 2010 oder 2020. Bei Zertifikaten haben die Koalitionäre die Übergangsregelung dagegen deutlich verschärft: Nach dem 14. März 2007 gekaufte Papiere dürfen selbst nach Jahresfrist nur bis zum 30. Juni 2009 steuerfrei verkauft werden. Die Verschärfung gilt aber nicht für niedrigverzinsliche Anleihen, mit denen sich Anleger ebenfalls steuerfreie Gewinne im nächsten Jahrzehnt sichern können.

Die Strategie, Sparer zu bauchpinseln und Aktionäre zu belasten, hat Kalkül. Zinsanleger können Steuern noch immer komplett vermeiden, indem sie ins Ausland ausweichen und dem Finanzamt ihre Erträge verschweigen. Da jenseits der Grenzen die Schlupflöcher kleiner und die Risiken größer werden, dürfte das Angebot von 26,4 Prozent in der Heimat zahlreiche Steuerflüchtlinge ins Grübeln bringen.

Aktionären bringt es dagegen steuerlich deutlich weniger, ihr Depot in ein Steuerparadies zu verlagern. Denn auch dort zahlen sie fast immer eine Quellensteuer, deren Höhe vom Sitz des Unternehmens abhängt. Für Anleger mit ausländischen Aktien bringt die Abgeltungsteuer einen zusätzlichen Anreiz, ihr Depot im Inland zu verwalten: Künftig sollen von Auslandsdividenden abgezogene Quellensteuern hierzulande automatisch mit der Abgeltungsteuer verrechnet werden. Damit entfällt das oft aufwendige Erstattungsverfahren, mit dem sich Aktionäre derzeit plagen müssen.

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