Feature zur Zwischenbilanz der Steueraffäre
Moses kommt aus Bochum

Mit dem Verfahren gegen Ex-Postchef Zumwinkel hat einer der wohl größten Steuerskandale mit deutscher Beteiligung seinen Lauf genommen. Vor dem Landgericht Bochum, zugleich Sitz der örtlichen Staatsanwaltschaft, geht es am Dienstag um eine nüchterne Zwischenbilanz. Doch manch Umstehender glotzt und lauscht, als ob er soeben die Zehn Gebote vernehmen würde. Anschließend wird gekämpft, was das Zeug hält.

BOCHUM. So viel Aufhebens um ein Stück Papier. Nicht mehr als eine Din A4-Seite, vorgetragen im monotonen Sprech eines ermatteten Verkünders. Doch manch Umstehender glotzt und lauscht, als ob er soeben die Zehn Gebote aus dem Munde Moses vernehmen würde. Gott ist die Gerechtigkeit - und Du sollst nichts Böses gegen Deinen Nächsten tun. "Soweit in verschiedenen Medien der Eindruck vermittelt wird, die Staatsanwaltschaft Bochum habe vor der Durchsuchung bei Herrn Dr. Klaus Zumwinkel Informationen an das ZDF weitergeleitet", sagt der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Krück, -Ulrich "wird ausdrücklich klargestellt, dass dies nicht zutrifft."

Als wenn das noch eine Rolle spielte. Mit dem von der Öffentlichkeit begleiteten Verfahren gegen Ex-Postchef Zumwinkel hat einer der wohl größten Steuerskandale mit deutscher Beteiligung seinen Lauf genommen. Vor dem Landgericht Bochum, zugleich Sitz der örtlichen Staatsanwaltschaft, geht es nun um eine nüchterne Zwischenbilanz.

Und doch wird beim Auftritt der Staatsanwälte noch immer gekämpft, was das Zeug hält. Da wird nach der Presseerklärung gegrapscht, als sei sie letzte Ration für Wissensdurstige auf dem Weg in die Informationswüste. Der Steuerskandal um deutsche Steuersünder, die ihr am Fiskus vorbei nach Liechtenstein transportiertes Geld dort sicher verwahrt glaubten, hat alle mitgenommen. Strafverfolger und Presseorgane vielleicht sogar mehr als die mutmaßlichen Täter.

Dabei fällt die Zwischenbilanz von Krück recht mager - denn die meisten Informationen sind längst durchgesickert. 120 Verfahren gegen 150 Beschuldigte sind seit dem 14. Februar, der Verhaftung von Ex-Postchef Klaus Zumwinkel, eingeleitet worden mit einer "Vielzahl von Durchsuchungsbeschlüssen", wie Krück betont. Nichts Neues.

Betroffen waren die Großräume München (34 Fälle), Frankfurt (17), Stuttgart (24), Hamburg (30) und NRW (15 Fälle). Acht Staatsanwälte waren im Einsatz, 139 Steuerfahnder aus NRW und diverse Kollegen aus der gesamten Republik. Ebenfalls alt.

Dann aber doch ein paar Zahlen, die es zu referieren lohnt. Es geht um bislang insgesamt über 200 Millionen Euro Kapital, das einer Besteuerung in Deutschland entzogen wurde und das in diversen liechtensteinischen Stiftungen steckt. 91 Personen "haben den Sachverhalt eingeräumt", sagt Krück - das Wort Geständnis kommt ihm nicht über die Lippen. Wohl deshalb, weil man sich in Bochum mit der juristischen Beurteilung noch zurück hält.

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