Finanzbehörden
Verloren im Steuer-Dschungel

Wer in Deutschland Steuern bezahlt, erlebt so manche Überraschung. Je nach Kommune oder Bundesland weichen Steuern voneinander ab – auch bei Prüfungen sind die Unterschiede immens. Sogar Experten verlieren den Überblick.
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DüsseldorfWenn es um neue Steuern geht, zeigt sich Köln so einfallsreich wie sonst nur beim Rosenmontagszug. Im vergangenen Jahr plante die hoch verschuldete Stadt eine Warteschlangensteuer. Kein Karnevalsscherz: Gastronomen sollten blechen, wenn sich vor Restaurants oder Clubs Schlangen bilden. Zwar legte die Stadt nach einem öffentlichen Sturmlauf die Pläne wieder auf Eis, aber mit einer Bettensteuer für private Übernachtungen, einer Zweitwohnungssteuer oder einer Sexsteuer zählt Köln in Sachen Steuern zu den Vorreitern unter den Städten. Auch anderswo können Steuerzahler so manche Überraschung erleben: In einigen Gemeinden Hessens fällt etwa eine Pferdesteuer an. Dagegen verzichtet Eschborn auf die Hundesteuer.

Bürger und Unternehmen stoßen in Sachen Steuern auf jede Menge Ungereimtheiten. Doch nicht nur für sie ist der fiskalische Wirrwarr schwer zu enträtseln. Auch Experten verlieren den Überblick im Meer neuer Gesetze und Verordnungen.

In seinem Belastungsbarometer 2013 zeigt der Bund der Steuerzahler Deutschland neueste Trends und Entwicklungen auf. „Wir beobachten in Deutschland erhebliche regionale Unterschiede bei einer Vielzahl von Steuern“, sagt Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. Viele Bundesländer und Kommunen haben an den Stellschrauben von Steuern gedreht, deren Höhe sie selbst festlegen können.

Das gilt gerade für die Gewerbesteuer. Sie war 2012 mit 43 Milliarden Euro die wichtigste Einnahmequelle für die Gemeinden. Nach Abzug der Umlage an Bund und Länder spülte sie immerhin 36 Milliarden Euro in die Kassen der Stadtkämmerer. Die Gemeinden sind mit einem Hebesatzrecht ausgestattet, können den entscheidenden Multiplikator bei der Berechnung der Gewerbesteuer selbst festlegen. „Selbst wenn der Gewerbeertrag nicht steigt, mussten Unternehmen 2012 häufig mehr in die Gemeindekasse zahlen“, so Holznagel.

Viele Gemeinden haben nach Angaben des Bundes der Steuerzahler die Hebesätze 2012 angehoben. So melden die Bundesländer Baden-Württemberg, Niedersachsen, Saarland, Sachsen-Anhalt und Thüringen höhere Hebesätze für 2012. Ausnahme ist der Freistaat Bayern: Dort ging es im Landesschnitt um 1,3 Prozentpunkte nach unten.

Kommentare zu " Finanzbehörden: Verloren im Steuer-Dschungel"

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  • und wieso sollten die "Südländer" Geld für Personal zur Prüfung von Steuerbescheiden und für Betriebsprüfungen ausgeben, wenn die Mehreinnahmen dann im Lännderfinanzausgleich versacken und die Empfängerländer sich so schöne Projekte wie z.B. der Berliner Flughafen oder die Elbphilharmonie gönnen?
    Gibt keinen Grund und deshalb gibt es auch Steuerparadise in Deutschland.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es macht keinen Spass in Deutschland Geld zu verdienen! Als (erfolgreicher) Unternehmer weiß ich, wie das Finanzamt seine Betriebsprüfer "schult": "Sie gehen zu Verbrechern, Sie müssen nur die Beweise finden!" Alle 3 Jahre habe die für mindestens 1 Woche in meinen Büroräumen sitzen und muß bei weit siebenstelligen Steuern dann Essensbelege für 35 Euro erklären ("War das notwendig?"). Ein "Jungprüfer" zweifelte sogar die Höhe von Anzeigenwerbung (!!!) als Betriebsausgabe an! Als einer mal gar nichts fand, setzte er ohne Begründung Kontrollmeldungen an unsere Kunden an! Natürlich war alles legal und korrekt. Leider habe ich durch dieses unüberlegt voreilige Handeln des Betriebsprüfers einige Großkunden verloren! Tja, als Unternehmer ist man in D eine Melkkuh! Dazu eine kurze Geschichte: Ein Bauer zum anderen: Letzte Woche habe ich es geschafft, das Futter meiner Kühe zu halbieren und Gleichzeitig den Milchertrag verdoppelt! Was machen die Kühe zum Dank: Sind alle gestorben!

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