Firmenanteil nicht immer maßgeblich für Höhe der absetzbaren Aufwendungen
Finanzhof erweitert Abzug von Werbungskosten für Gesellschafter

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat sich in einem jetzt veröffentlichten Urteil der Frage angenommen, wie zu verfahren ist, wenn der Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) höhere Aufwendungen trägt, als sie seinem Kapitalanteil entsprechen. Das oberste Steuergericht entschied, dass diese Aufwendungen steuerlich dem belasteten Gesellschafter zuzurechnen sind, wenn dieser weder eine freigiebige Zuwendung an den Mitgesellschafter beabsichtigt, noch über einen durchsetzbaren Ersatzanspruch verfügt.

mkm MÜNCHEN. Im Urteilsfall hatten Mutter und Tochter zwei Eigentumswohnungen erworben, die sie in der Rechtsform einer GbR verwalteten. Nach persönlichen Differenzen kündigte die Tochter im Jahr 1992 die Gesellschaft, stellte einen Antrag auf Teilungsversteigerung und erhielt schließlich für beide Wohnungen 1995 den Zuschlag. Seit Kündigung der Gesellschaft verweigerte die Mutter eine Beteiligung an den laufenden Aufwendungen für die beiden Mietobjekte. Die Tochter gab für die GbR eine Erklärung zur einheitlichen Feststellung der Einkünfte des Jahres 1995 ab, in der sie die - allein getragenen - laufenden Aufwendungen ausschließlich sich selbst zurechnete. Das Finanzamt teilte die Aufwendungen demgegenüber entsprechend der jeweiligen Beteiligung auf. Das Finanzgericht schloss sich dieser Auffassung an.

Der BFH gab der Tochter jetzt Recht. Allerdings dürfe sich die den Miteigentumsanteil übersteigende Übernahme der Aufwendungen nicht lediglich als eine vorläufige Kostenübernahme darstellen, die dieser dem Mitgesellschafter gegenüber im Wege einer Kreditgewährung übernehme. Das gelte auch dann, wenn die Erfüllung des Ausgleichsanspruchs bis zur Veräußerung des gemeinsam verwalteten Objektes hinausgezögert werde. Anders sei es jedoch, wenn der Zahlende keinen Ausgleichsanspruch habe. Entgegen der Auffassung des Finanzgerichts sei es unmaßgeblich, dass die Tochter von der Vermögenslosigkeit der Mutter keine Kenntnis gehabt und deshalb nicht gewusst habe, dass sie nicht lediglich in Vorlage trete. Die Zurechnung der Aufwendungen beim Zahlenden hänge nur davon ab, dass es für ihn objektiv unmöglich sei, seinen Zahlungsanspruch durchzusetzen. Das sei hier der Fall gewesen, weil die Mutter 1995 zahlungsunfähig gewesen sei. Der Ausgleichsanspruch der Tochter sei durch den Tod der Mutter im Jahr 1999 und die Annahme der Erbschaft auch nicht überholt. Es komme vielmehr auf die Situation im Jahr der Zahlung (1995) an.

Quelle: Handelsblatt

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