Fiskus ändert seine Meinung zum Ideenkapital-Fonds „Mediastream IV“ – Anlegern droht die Halbierung der Rendite
Finanzamt lässt Steuerkonzept für Filmfonds platzen

Zum ersten Mal ist bei einem Medienfonds das im Vertriebsprospekt vorgesehene Steuerkonzept nachträglich geplatzt. Betroffen sind rund 4 600 Anleger des Filmfonds "Mediastream IV", die rund 145 Mill. Euro in den Fonds eingezahlt haben. Sie müssen mit erheblichen Renditeeinbußen rechnen, weil die steuermindernden Verlustzuweisungen nicht die anvisierte Höhe erreichen werden.

DÜSSELDORF. "Entgegen positiver Rechtsauskünfte hat das Finanzamt München III jetzt mitgeteilt, dass es dem Antrag der Fondsgesellschaft auf vorläufige Verlustanerkennung nicht entspricht", teilte der Anbieter des Fonds, die Düsseldorfer Ideenkapital AG, am Freitag mit.

Der "Mediastream IV" weicht von den bisher üblichen Filmfonds- Konzepten ab. Der einschließlich Fremdkapital 231 Mill. Euro schwere Fonds ist nicht Produzent, sondern vermarktet drei Hollywood-Filme. Dazu erwirbt er deren Verwertungsrechte. Der Steuervorteil resultiert überwiegend aus den sofort als Betriebsausgaben abzugsfähigen Vermarktungskosten, die sich bereits 2003 auf knapp 190 Mill. Euro addieren. Dem Anleger bringen sie eine steuerliche Verlustquote von 130 Prozent seines Geldeinsatzes. Die Einnahmen des Fonds resultieren aus der Vergütung des Filmproduzenten für die Vermarktung. Auf dieser Basis hat Ideenkapital für einen Spitzenverdiener mit einer Steuerbelastung von 48,5 Prozent eine Rendite von rund zwölf Prozent nach Steuern errechnet.

Nach den Vorstellungen des Finanzamtes sollen die Vermarktungskosten nun zehn Jahre lang mit zehn Prozent abgeschrieben werden, sagt Rolf Engelhardt, Vorstand der zum Versicherungskonzern Ergo gehörenden Ideenkapital. Die Rendite würde dadurch halbiert, sagt er und versichert: "Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alles getan, um uns abzusichern." Dazu zitiert Engelhardt aus der Antwort des Finanzamtes auf eine frühere Vorabanfrage: "Die von der Fonds KG zu tragenden Herausbringungskosten (Vermarktungskosten) für die Kinoauswertung der Filme in Nordamerika qualifizieren sich als Betriebskosten und damit als sofort abzugsfähige Betriebsausgaben." Ideenkapital empfiehlt Anlegern, gegen Steuerbescheide, in denen die Verluste nicht anerkannt werden, Widerspruch einzulegen. Ideenkapital selbst könne erst nach dem Steuerbescheid für die Fonds KG Rechtsmittel einlegen, sagt Engelhardt. Er befürchtet, dass ein vor Finanzgerichten ausgetragener Streit über die Anerkennung der Verluste sechs bis sieben Jahren dauern könnte.

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