Fiskus hofft - Banken skeptisch
EU trocknet Steueroasen aus

Für Kapitalanleger in Europa beginnt am morgigen Freitag eine neue Zeitrechnung: Nach jahrelangem Ringen tritt die umstrittene EU-Zinsrichtlinie in Kraft. Vom 1. Juli an informieren sich nahezu alle EU-Länder gegenseitig über die Zinserträge ihrer Bürger. Anleger, die dort noch Schwarzgeld angelegt haben, müssen mit dem Aufdecken ihrer Konten rechnen.

HB BERLIN. Während Finanzminister Hans Eichel (SPD) auf Mehreinnahmen hofft, zeigen sich Banken angesichts weiter bestehender legaler "Steuerschlupflöcher" und Ausnahmeregelungen in Steueroasen skeptisch. Eine lückenlose Zinsbesteuerung in Europa werde nicht sichergestellt, wurde in einer dpa-Umfrage kritisiert.

Künftig werden Banken in 22 der 25 EU-Länder Kontrollmitteilungen über Zinserträge den Finanzbehörden des Heimatlandes des Anlegers übermitteln. In einigen Finanzzentren gelten aber noch lange Zeit Sonderregelungen. In Luxemburg, Österreich, Belgien und dem Nicht-EU- Land Schweiz können ausländische Anleger wählen, ob sie statt der Mitteilungen eine anonyme Quellensteuer auf Zinserträge bevorzugen.

Der Steuersatz von 15 Prozent steigt bis Juli 2011 auf 35 Prozent. 75 Prozent der Einnahmen daraus erhält das Heimatland des Anlegers. Auch Steuerparadiese wie Monaco, Liechtenstein oder Andorra beteiligen sich an der anonymen Quellensteuer.

Die für 2006 erhofften Mehreinnahmen kann das Finanzministerium wie die anderen EU-Staaten aber noch nicht näher beziffern - auch nach den Erfahrungen mit der Steueramnestie. Ein genauer Überblick sei erst später möglich, wenn der Informationsaustausch zwischen Deutschland und 21 EU-Staaten greife und Zahlungen erstmals 2006 gemeldet werden. Zusätzliches Geld werde auch erhofft durch die mit Österreich, Belgien und Luxemburg vereinbarten Verfahren.

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