Fünf Fragen an: Wolfgang Gerke
„Vereinfachung ist teuer erkauft“

Wolfgang Gerke ist Wirtschaftsprofessor und Experte für Kapitalmärkte. Mit dem Handelsblatt spricht er über die Ziele der Abgeltungssteuer und den Schaden und Nutzen für Privatanleger. Für Gerke ist klar: "Verlierer sind insbesondere Anleger, die Kursgewinne realisieren möchten."

Handelsblatt: Welche Intention hat die Abgeltungsteuer, was sollte mit ihr erreicht werden?

Wolfgang Gerke: Durch die Abgeltungsteuer soll im Rahmen der Unternehmenssteuerreform die Besteuerung von Kapitalerträgen vereinfacht werden. Die Bürokratiekosten bei Anlegern, Finanzbehörden und Depot führenden Stellen sollen gesenkt und dadurch der deutsche Finanzstandort gefördert werden.

Ist dieser Zweck der Steuerreform Ihrer Meinung nach erfüllt worden?

Die Abgeltungsteuer ist auf einem guten Weg, jedoch müssen noch einige Nachbesserungen eingebracht werden. Insbesondere die Höhe des Abgeltungsteuersatzes müsste statt bei 25 Prozent bei 20 Prozent liegen. Leider verfehlen Abgeltungsteuer und Unternehmensteuer um Längen die vor der Bundestagswahl geweckten Hoffnungen, dass das sehr komplizierte deutschen Steuersystem endlich einmal gründlich entschlackt würde.

Wer sind denn die Gewinner der Abgeltungsteuer?

Von der Abgeltungsteuer profitieren gegenüber dem jetzigen System Anleger mit hohen individuellen Grenzeinkommensteuersätzen.

Und wo sehen Sie die Verlierer der neuen Regelung?

Verlierer sind insbesondere Anleger, die Kursgewinne realisieren möchten. Egal ob sie kurz oder langfristig investieren, ihre Kursgewinne unterliegen zukünftig der Besteuerung. Der Fiskus kann hierdurch einen Teil seiner Steuerausfälle aus der Abgeltungsteuer ausgleichen.

Was bedeutet die Abgeltungsteuer Ihrer Meinung nach unter dem Strich für Privatanleger?

Auch wenn nur ein geringer Teil der Versprechen zur Vereinfachung des Steuersystems eingelöst wird, so wird durch die Abgeltungssteuer dennoch etwas Bürokratie abgebaut. Diese Steuervereinfachung wird durch die Einführung der generellen Spekulationsteuer teuer erkauft. Dadurch wird die private Altersvorsorge behindert statt gefördert.

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