Gemeinnützige Aktiengesellschaft für private Förderer
Von Eisbär Knut lernen

Der boomende Gemeinnützigkeitssektor wandelt sich. Immer öfter gehen private Förderer und Unternehmen dazu über, ihr finanzielles Engagement in einer Rechtsform zu organisieren, die bisher keine nennenswerte Rolle spielte: die gemeinnützige Aktiengesellschaft (gAG). Beispiele sind die Zoologische Garten Berlin AG, die Gesellschaft für Angestellten-Heimstätten oder das erste deutsche Aktientheater.

KÖLN. Privatrechtlich organisierte Gemeinwohlpflege findet immer noch vor allem in Stiftungen und eingetragenen Vereinen statt. Doch die gewachsenen Strukturen der Non-Profit-Organisationen verlangen ein professionelles Management. Die Gemeinwohlförderer - zunehmend vermögende Unternehmer und Firmen - denken auch bei ihren sozialen Aktivitäten wirtschaftlich. Das rückt die gAG in den Fokus. Denn mit ihr lässt sich das Gemeinwesen oftmals viel effizienter und flexibler fördern als mit Stiftung oder Verein. Außerdem macht sie die Möglichkeit der Aktienausgabe besonders attraktiv für das sogenannte Fundraising.

Das Gesetz zählt die Kapitalgesellschaften schon seit jeher zu den Organisationsformen, die den Status der Gemeinnützigkeit erlangen können. Lediglich Einzelpersonen und Personengesellschaften sind von den Steuerbegünstigungen, die der Staat gemeinnützigen Einrichtungen gewährt, ausgeschlossen. Dennoch hatten AG und GmbH im Non-Profit-Bereich lange Zeit kaum praktische Bedeutung. Die gemeinnützige GmbH konnte sich zuletzt immerhin im Gesundheitswesen etablieren - zahlreiche Krankenhäuser und Altenpflegeheime tragen mittlerweile dieses Rechtskleid. Die gemeinnützige Aktiengesellschaft hingegen blieb zahlenmäßig meilenweit hinter den anderen Rechtsformen zurück.

Dass gerade sie im sogenannten Dritten Sektor bis heute nicht als ernsthafte Rechtsformalternative galt, lag zuvorderst an ihrem Imageproblem. Als die kapitalistische Unternehmensform schlechthin schien sie mit den ideellen Zielsetzungen einer gemeinnützigen Organisation schon begrifflich kaum vereinbar. Dabei darf die gAG schon kraft ihrer Satzung keine Gewinne erwirtschaften, wenn sie als gemeinnützig anerkannt werden will.

Inzwischen zählen andere Kriterien als das Image. "Die Gemeinwohlförderer denken heute unternehmerischer als früher", sagt der Münchener Notar Thomas Wachter. Dazu zwingt sie das permanente Wachstum gemeinnütziger Einrichtungen. Denn mit dem zunehmenden Umfang ihrer Aktivitäten steigen die Ansprüche an die Organisation. Diesen Anforderungen werden Stiftung und Verein häufig nicht mehr gerecht. Notar Wachter nennt Gründe: "Bei der Stiftung stört die staatliche Aufsicht die unternehmerische Freiheit. Und ein Verein lässt sich aufgrund seiner Struktur ab einer gewissen Größe nur schlecht managen."

Je nach Ziel, Tätigkeit und Finanzierung der Organisation ist die gemeinnützige Aktiengesellschaft daher die bessere Alternative. "Beabsichtigt man etwa die Einbindung möglichst breiter Schichten als Teilhaber an einem Projekt sowie die möglichst flexible Eigenkapitalfinanzierung, ist die gemeinnützige Aktiengesellschaft besser geeignet als andere Rechtsformen", nennt Rechtsprofessor Walter Bayer von der Universität Jena ein Motiv für die Wahl der gAG.

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