Gerichtsurteile: Schutzschirm für Praktikanten

Gerichtsurteile
Schutzschirm für Praktikanten

Für einige Unternehmen waren Praktikanten lange nur billige Arbeitskräfte. Nun schieben Gerichte dem Missbrauch einen Riegel vor. Werden Praktikanten wie volle Arbeitskräfte eingesetzt, haben sie ein Anrecht auf den vollen Lohn. Viele Unternehmen drohen nun Nachzahlungen.

KÖLN. Bei der Beschäftigung von Praktikanten ist für Unternehmen Vorsicht geboten. Die Arbeitsgerichte wachen inzwischen mit Argusaugen über den Einsatz des Nachwuchspersonals im Betrieb. Gewinnen die Richter den Eindruck, dass eine Firma Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht, kann das ernste Konsequenzen haben. Die Gerichte können sie nachträglich zu echten Arbeitnehmern erklären. Die Folgen: Das Unternehmen muss Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nachzahlen. Außerdem besteht Anspruch auf einen angemessenen Arbeitslohn.

Das Phänomen ausgebeuteter Praktikanten ist beileibe nicht neu. Schon seit Jahren ist von der "Generation Praktikum" die Rede. Gemeint sind damit gut ausgebildete Akademiker, die keinen Job finden und mangels Alternativen ein Praktikum nach dem anderen absolvieren. Dabei werden sie ihren Fähigkeiten entsprechend fast wie volle Arbeitskräfte eingesetzt, aber lausig bezahlt - wenn der Betrieb sie überhaupt vergütet.

Der Gesetzgeber wollte bereits gegen den Missbrauch von Praktikanten als Billig-Arbeitskräfte einschreiten. Entsprechende Vorschläge des Bundesarbeitsministeriums liegen seit März letzten Jahres vor. Eine Umsetzung ist jedoch bis heute nicht erfolgt. Daher ist es an den Arbeitsgerichten, die Ausbeutung von Praktikanten zu durchkreuzen. Und die schieben solchem Missbrauch immer häufiger einen Riegel vor.

Nach einem Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts gilt: Bei einem Praktikantenverhältnis muss der Ausbildungszweck im Vordergrund stehen. Ein Praktikant sei in Abgrenzung zum Arbeitnehmer vorübergehend in einem Betrieb praktisch tätig, um sich die zur Vorbereitung auf einen Beruf notwendigen praktischen Kenntnisse und Erfahrungen anzueignen, heißt es in der Entscheidung (Az.: 6 AZR 564/01). Ansonsten sei von einem echten Arbeitsverhältnis auszugehen.

Seite 1:

Schutzschirm für Praktikanten

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%