Steuern
Gesellschaftsrecht

BGH-Urteil v. 18.4.2005 - II ZR 61/03



BGB § 823 Abs. 2 i. V. mit StGB § 266a; GmbHG § 64 Abs. 2

a) § 266a StGB ist ein Schutzgesetz i. S. von § 823 Abs. 2 BGB.

b) Für die Unmöglichkeit normgemäßen Verhaltens ist im Rahmen des § 823 Abs. 2 BGB i. V. mit § 266a StGB der Anspruchsteller darlegungs- und beweispflichtig (Bestätigung von BGHZ 133 S. 370 [379]). An die Erfüllung der grundsätzlich bestehenden sekundären Darlegungslast des Geschäftsführers einer GmbH dürfen keine diese Verteilung der Vortragslast umkehrenden Anforderungen gestellt werden. Eine besondere Dokumentationspflicht zur Abwehr einer möglichen Haftung nach diesen Vorschriften besteht nicht. Auch die Verletzung der Insolvenzantragspflicht erhöht die sekundäre Darlegungslast des Geschäftsführers nicht.

c) Hätte der Insolvenzverwalter die Zahlungen an die Sozialkasse nach der InsO anfechten können, entfällt mangels Kausalität der Schaden (Bestätigung von BGH-Urt. v. 14. 11. 2000 - VI ZR 149/99, DB 2001 S. 526 = ZIP 2001 S. 80). § 266a StGB begründet in der Insolvenzsituation keinen Vorrang der Ansprüche der Sozialkasse (Bestätigung von BGHZ 149 S. 100 [106 f.] = DB 2002 S. 265; Urt. v. 10. 7. 2003 - IX ZR 89/02, DB 2003 S. 2383 = ZIP 2003 S. 1666). Der Geschäftsführer, der in dieser Lage die Arbeitnehmeranteile noch abführt, statt das Gebot der Massesicherung (§ 64 Abs. 2 GmbHG) zu beachten, handelt nicht mit der Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmanns i. S. von § 64 Abs. 2 Satz 2 GmbHG (Bestätigung von BGHZ 146 S. 264 [274 f.]).

(BGH-Urteil vom 18.4.2005 - II ZR 61/03)



Quelle: DER BETRIEB, 10.06.2005

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