Gezielte Steuergestaltung wird immer wichtiger
Steuerpolitur hilft beim Unternehmensverkauf

Rund 71 000 deutsche Familienunternehmen werden in diesem Jahr ihren Chef oder ihre Chefin wechseln, hat das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) ermittelt. Jedes fünfte wird mangels geeignetem Nachfolger ganz oder teilweise zum Verkauf angeboten.

HB DÜSSELDORF. Mit einem schönen Verkaufsexposé hier und ein bisschen Bilanzkosmetik da ist es aber nicht getan, um einen Erlös zu erzielen, der dem Verkäufer den Lebensabend sichert. Wer neben dem betriebswirtschaftlichen vor allem steuerliche Aspekte beachtet, kann beim Verkauf von Unternehmen und Unternehmensbeteiligungen sogar eine erhebliche Gewinnsteigerung erreichen. "Das Ziel muss sein, beim Verkäufer die Steuerbelastung auf den Veräußerungsgewinn zu reduzieren", sagt Steuerberater Andreas Söffing, Partner bei SJBerwin LLP. "Eine gute Verhandlungsposition haben Verkäufer, die sich rechtzeitig in die Lage potenzieller Käufer hinein versetzen", betont Rechtsanwalt Matthias Kasch, Partner der Anwaltssozietät White & Case.

Je nachdem, ob der Käufer ein Unternehmer ist, der ein langfristiges strategisches Interesse hat oder eine Beteiligungsgesellschaft, die nach wenigen Jahren einen lukrativen Exit sucht, muss sich der Verkäufer auf unterschiedliche Interessen einstellen. Sollte der Käufer Interesse daran haben, den Kaufpreis abzuschreiben, könne der Preis mit einer entsprechende Transaktionsstruktur nach oben nach oben getrieben werden, sagt Söffing. Wer es dem Käufer ermöglicht, beispielsweise einen Firmenwert von 15 Mill. Euro über 15 Jahre abzuschreiben und damit eventuell 15 Jahre lang weniger Steuern zu zahlen, hat gute Karten, einen höheren Preis auszuhandeln.

Den Kaufpreis von der Steuer abschreiben kann aber nur der Käufer einer Personengesellschaft. Steht eine Kapitalgesellschaft, also eine GmbH oder Aktiengesellschaft, zum Verkauf, sind nur einzelne Wirtschaftsgüter, die Assets, die aus der GmbH gekauft werden, absetzbar. Wer ganze Gesellschaftsanteile, die so genannten Shares, kauft, kann den Preis dafür nicht absetzen. Denn Shares gelten nicht als abnutzbare Wirtschaftsgüter. Verkäufer sollten also prüfen, ob es in ihrem Fall Sinn macht, ihr Unternehmen aus einer Kapital- in eine Personengesellschaft umzuwandeln, also beispielsweise aus einer GmbH eine GmbH & Co KG zu machen.

In jedem Fall sollte ein Unternehmer rechtzeitig vor der Veräußerung beginnen, die steuerlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, wenn er nicht riskieren will, dass die Finanzverwaltung bei den Steuervorteilen den Rotstift ansetzt. Oft lässt sich der Wechsel an der Unternehmensspitze gut vorhersehen. Nach den Erhebungen des IfM wird in 65 % der Fälle eine Firma aus Altersgründen verkauft. "Wenn der Senior weiß, er möchte zum Beispiel mit 65 verkaufen, sollte er ruhig schon mit 58 einmal mit einem Fachmann die Unternehmensstruktur überprüfen und eventuell verändern", sagt Söffing. Das Ziel der Analyse ist klar: Gewinne sollten so gering wie möglich besteuert, Verluste so steuermindernd wie möglich verwertet werden.

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