Großzügige Auslegung
Der Handwerker muss nicht im Haus arbeiten

Haushaltsnahe Handwerkerleistungen können von der Steuer abgesetzt werden. Was genau noch haushaltsnah ist, musste nun der Bundesfinanzhof entscheiden und kam zu einer sehr großzügigen Auslegung.
  • 0

DüsseldorfSeit dem Jahr 2006 können private Haushalte haushaltsnahe Handwerkerleistungen steuerlich absetzen. Konkret nennt Paragraf 35a des Einkommensteuergesetzes Arbeiten für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen, die in einem inländischen Haushalt erbracht werden.

In einem aktuellen Rechtsstreit ging es um die Frage, ob die Arbeiten für den Anschluss eines Grundstücks an die zentrale Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung zu den begünstigten Leistungen gehören, wenn sie im Auftrag des zuständigen Zweckverbands auf einer öffentlichen Straße ausgeführt wurden.


Die klagenden Eheleute hatten im Jahr 2001 ein Grundstück erworben und darauf im folgenden Jahr ein Einfamilienhaus errichtet. Das Haus wurde zunächst mit Trinkwasser aus einem Brunnen versorgt, das Abwasser über eine Grube entsorgt. Im Jahr 2005 begann der zuständige Zweckverband das Grundstück an die zentrale Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung anzuschließen. Wie in solchen Fällen üblich, stellte der Zweckverband im Jahr 2007 für die Aufwendungen Kostenbeträge in Rechnung, die die Eheleute in ihrer Einkommensteuererklärung 2007 als steuerbegünstigte Handwerkerleistungen geltend machten. Diese Aufwendungen erkannte das Finanzamt aber nicht an, da die Eheleute keine Belege vorgelegt hätten.


Nach einem erfolglosen Einspruch erhob das Ehepaar eine Klage beim Finanzgericht und reichte auch die entsprechenden Belege nach. Das überzeugte das Finanzgericht. Es ließ nicht nur den Abzug der Arbeitskosten auf dem Grundstück zu, sondern auch für die Arbeiten auf der Straße vor dem Grundstück.

BFH legt gesetzliche Regelung großzügig aus

In der anschließenden Revision, die das Finanzamt erwirkte, folgte der Bundesfinanzhof (BFH) nicht nur dem Finanzgericht, es legte die gesetzliche Regelung zum Abzug von Handwerkerleistungen auch noch weiter aus als bisher (Az.: VI R 56/12). Obwohl es im Gesetz heißt, dass die Handwerkerleistung „in“ einem Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden müsse, dürfe daraus nicht geschlossen werden, dass nur Tätigkeiten dazu gehören, die in der privaten Wohnung oder dem Haus und dem Garten geleistet werden.

Seite 1:

Der Handwerker muss nicht im Haus arbeiten

Seite 2:

Was bedeutet „im Haushalt“?

Kommentare zu " Großzügige Auslegung: Der Handwerker muss nicht im Haus arbeiten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%