Helfer-Dokus im TV
Mit RTL in die Steuerfalle

Wer ein Preisgeld nicht gewonnen, sondern dafür gearbeitet hat, muss Einkommensteuer zahlen. Doch Spiel und Arbeit lassen sich nicht immer so einfach trennen. Nun haben Finanzbehörden auch noch Sachleistungen im Visier.
  • 17

DüsseldorfDas Wohnzimmer ist verlebt, die Küche beinahe schon ein Trümmerhaufen, doch am Geld und Know-How für eine Renovierung fehlt es. Für solche Fälle hält das Fernsehen eine Vielzahl von Helfer-Dokus parat. Ein großes Handwerker-Team rückt an, schafft jede Menge Baumaterial herbei und renoviert vor laufender Kamera die Wohnungen und Häuser der Kandidaten.

Und das alles gibt es einfach so geschenkt? Haben die Show-Teilnehmer die Renovierung denn gewonnen, so wie beispielsweise einen Sechser im Lotto? Oder haben sie sich die Hilfe durch eigene Leistung verdient? Um solche Fragen geht es aktuell bei Überprüfungen der Finanzbehörden. Das Ergebnis könnte für die Fernsehkandidaten am Ende sehr unerfreulich sein: Der Fiskus könnte sie rückwirkend zur Kasse bitten. Glück im Spiel, Pech bei der Steuer?

Den Anstoß dazu hat ein Urteil des Bundesfinanzhofs aus dem vergangenen Jahr gegeben (Az.: IX R 6/10). Damals ging es um den Big-Brother-Gewinner Sascha Sirtl und die Frage, ob er sein Preisgeld in Höhe von einer Million Euro versteuern muss. Nach Einschätzung der obersten Finanzrichter musste er seinen sogenannten „Projektgewinn“ als sonstige Einkünfte versteuern. Er habe das Geld gemäß eines Vertrages als „Gegenleistung für sein (aktives wie passives) Verhalten während seines Aufenthaltes im Big-Brother-Haus bekommen“.

Ein typisches Arbeitsverhältnis sei das zwar nicht, so die Richter. Aber der Show-Teilnehmer habe eine sonstige Leistung nach Paragraph 22 Nummer drei, Einkommensteuergesetz erbracht. „Nach diesem Urteil ist davon auszugehen, dass Preisgelder aus allen Casting-Shows, Star-Suchen und ähnlichen Veranstaltungen versteuert werden müssen“, sagt Rechtsanwalt Burkhard Binnewies, der den Big-Brother-Gewinner vertreten hatte. Zwar läuft gegen das Urteil noch eine Verfassungsbeschwerde, „doch die Erfolgsaussichten sind sehr begrenzt“, sagt der Steuer-Experte.

Kommentare zu "Mit RTL in die Steuerfalle"

Alle Kommentare
  • so stellt der Erwerb eines Lottoscheines aber auch eine eigene Leistung dar. Schlißlich bin ich zum Lottoladen gelaufen und habe auch noch den Kaufpreis in die Herstellungskosten meines Loses investiert... Deutschland-Bürokratenland

  • Unser Staat muß wirklich schon auf der allerletzten Rille laufen, wenn er solche Juristentricks braucht, um noch ein paar Kröten in die Staatskasse zu bekommen.

    Armseliges Deutschland, Du tust mir unendlich Leid.

  • Hat Herr Niebel eigentlich schon seinen Teppich versteuert? Neben dem Warenwert, gehören auch die Kosten für den Transport dazu. Die dürften angesichts des Einsatzes einer "Privat-Dienstmaschine" ziemlich hoch sein und müßten anteilig ebenfalls in der Nacherhebung des Zolls zu bezahlen sein.

    Das Vorbeischleusen von Waren am Zoll, die aufgrund des Wertes verzollt hätten müssen, stellt einen Straftatbestand dar!

    War der Fiskus schon bei Herrn Niebel?

    Ab einer bestimmten Höhe der Hinterziehung ist man doch vorbestraft?

    Hat man bei Herrn Niebel vielleicht eine Ausnahme gemacht? Vielleicht liegt sogar Rechtsbeugung vor?

  • Beim Anschauen und gleichzeitigem Staunen über "Einsatz in vier Wänden" habe ich mir auch schon gedacht, eigentlich sind das nichts anderes wie geldwerte Leistungen. Und kaum vorstellbar, daß die armen Schlucker mit ihrem neuen Luxuspalast die anfallenden Steuern bezahlen können.

  • Warum erhalten die Politiker steuerfreie Aufwandspauschalen???
    Nach diesem Bericht ganz klar, weil sie nichts dafür tun, sonnst müssten sie es ja versteuern.

  • MAn merkt es doch, dass es an allen Enden und Ecken bröckelt und dieser Lügenstaat mit seiner Politmafia die letzten HAsen aus dem Hütchen zu zaubern versucht. Ich freue mich auf den Tag wenn die Zuschauer aufstehen, der Vorhang fällt und die MAsse zu toben beginnt weil sie merken, wie man sie verarscht hat.

  • Der Staat presst bei seinen eignen Bürgern Stuern ab wo er nur kann - um damit russische Oligarchen in Zypern vor dem Verlust ihrer Einlagen zu schützen.

    Aber so lange keiner auf die Straße geht oder zumindest anders wählt, haben wir es nicht besser verdient. Ich hoffe, unser Staat wird noch viel brutaler, damit wir fetten, faulen Bürger uns endlich bewegen!

  • @AdamSchmitz:

    Wen wollen Sie denn anderes wählen?
    In dieser geldgierigen Parteienoligarchie sind alle Parteien gleich schlimm.

  • Super Sache. da fällt mir die Dame ein, die 700€ Vergütung von RTL für die Teilnahme an so einer Sendung erhalten hat und dann auf 2100€ Stromkosten sitzen geblieben ist, weil die Produktionsfirma ihre Hochleistungsbeleuchtung in ihrer Wohnung angeschlossen hat.

  • Gegen den Euro-Rettungswahnsinn kann man z.B. die Freien Wähler oder noch besser die Wahlalternative 2013 wählen.

    In Niedersachsen sind die aber leider gerade mal auf 1.1% gekommen. Schade, dann hinter der Wahlalternative 2013 steht eine kleine Armada von Wirtschaftswissenschaftlern - man muss sich nur mal die Unterstützerliste ansehen.

Serviceangebote