IFRS
Bilanzen steuern auf Weltstandard zu

Experten sind sich in der Bewertung einig: Das Rennen um die Führungsrolle in der Rechnungslegung ist vorbei. Die internationalen Bilanzierungsregeln IFRS haben die Oberhand weil sie künftig auch von US-amerikanische Firmen in den USA angewendet werden. Bislang akzeptiert die Börsenaufsicht nur die US-Regeln GAAP.

DÜSSELDORF. „Der Wettbewerb ist zugunsten der International Accounting Standards entschieden“, sagt Christoph Gruss, Partner Capital Markets bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC. Die USA seien der letzte große Kapitalmarkt auf der Welt ohne IFRS gewesen.

Spätestens ab 2014 müssen die etwa 7 000 kapitalmarktorientierten Unternehmen in den Vereinigten Staaten IFRS als Bilanzstandard nutzen. Das gab die Börsenaufsicht SEC jetzt bekannt. Die Übergangszeit ist länger als erwartet und soll Kritikern offenbar entgegenkommen. Große Konzerne dürfen unter bestimmten Voraussetzungen allerdings schon ab dem Geschäftsjahr 2009 umschwenken. Damit hat sich die SEC zur Überraschung vieler Beobachter für einen zweistufigen Weg entschieden.

Die erste Umstellungsphase ist bislang 110 Konzernen in 34 Branchen vorbehalten. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die weltweit unter den ersten 20 ihrer Branche rangieren, deren Wettbewerber aber überwiegend nach IFRS bilanzieren. „Damit sollen Nachteile durch die Rechnungslegung für amerikanischen Unternehmen vermieden werden“, erläutert Gruss.

Konkret könnte das beispielsweise bedeuten, dass die Automobilhersteller GM und Ford vermutlich schon bald GAAP als Standard aufgeben werden weil die Konkurrenten in Europa und Japan fast alle nach IFRS bilanzieren. Auch Toyota hatte angekündigt umzusteigen. Umgekehrt stellt sich die Frage in der IT-Industrie. Dort geben US-Firmen den Ton an. Microsoft wird deshalb vorerst kaum umstellen, die deutsche SAP andererseits wird noch einige Jahre auch nach US-Regeln bilanzieren.

Sowohl SEC-Chef Christopher Cox als auch David Tweedie, Chairman des International Accounting Standards Board (IASB), verweisen in Stellungnahmen darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen den privaten Standardsetzern in den USA, dem FASB, und dem IASB in London weitergeführt werden soll. Ziel sei es, weltweit „Transparenz und Vergleichbarkeit der Jahresabschlüsse zu erreichen“, sagte Cox. Tweedie wertete den Zeitplan als weiteren Schritt zur Konvergenz der Systeme.

Noch vor wenigen Jahren mussten alle nicht-amerikanischen Unternehmen, die an die US-Börsen wollten, auch einen Abschluss nach US-GAAP aufstellen. Die USA akzeptierten noch vor zehn Jahren nichts anderes als ihre eigenen Standards. Seit gut einem Jahr dürfen ausländische Firmen an der Wall Street auch nach den internationalen Normen bilanzieren. Das war der erste entscheidende Schritt der USA zur Öffnung.

Das Pendel zugunsten der IFRS, so Gruss, sei umgeschlagen als sich die Europäer vor einigen Jahren weitgehend für die internationale Norm entschieden hätten. In Deutschland bilanzieren inzwischen alle börsennotierten Unternehmen nach IFRS. Seitdem wird mit den Amerikanern aber auch hart um jedes Detail gerungen. Kritiker sehen die IFRS-Regeln schon viel zu stark amerikanisiert. Die SEC dagegen machte jetzt noch einmal deutlich, dass die „IFRS weiterentwickelt werden müssen“.

Die Grundsatzentscheidung, IFRS nicht nur für Auslandsunternehmen in den USA, sondern in Zukunft auch für inländische Firmen zu akzeptieren, war schon vor einigen Monaten gefallen. Jetzt folgte der Zeitplan. Ganz sicher ist die Aufgabe der US-Standards aber noch nicht: Für 2011 hat sich die SEC vorbehalten, nach einem Zwischenresümee die Zulassung zu stoppen.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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