Islamic Finance
Investieren auf islamisch

Wer Finanzierungen nach Scharia-Recht in Europa anbieten will, muss bei der Umsetzung der strengen Vorgaben Kreativität beweisen. Zu den bekanntesten Regeln gehört das Zinsverbot. Doch nahezu das gesamte Spektrum traditioneller Finanzierungen lässt sich in Scharia-konformer Weise darstellen.

Hinter "Islamic Finance" verbergen sich Finanzierungsinstrumente nach islamischem Recht. Nicht zuletzt in der aktuellen Finanzkrise rücken bei der Suche nach alternativen Finanzierungsquellen Investoren aus den ölreichen Golfstaaten in den Fokus, die in diese im Westen weitgehend unbekannte Anlageformen investieren, die auch für nicht-islamische Marktteilnehmer interessante Instrumente sein können. "Islamic Finance" ist dabei ein Konzept mit großem Wachstumspotential, das auf nahezu alle herkömmlichen Finanzierungen anwendbar ist.

Nahezu das gesamte Spektrum traditioneller Finanzierungen lässt sich in Scharia-konformer Weise darstellen. Ein Beispiel hierfür sind besicherte Anleihen, sogenannte Sukuk. Der Markt für Sukuk-Anleihen - ein Instrument, das sich für Finanzierungsvolumina über 20 Millionen Euro eignet - hat sich in den Jahren bis zur Finanzkrise sehr gut entwickelt. Die Investorennachfrage ist mit der Verschärfung der Finanzkrise seit Mitte 2008 wie bei vergleichbaren konventionellen Instrumenten jedoch zum Erliegen gekommen.

Spezielle Anforderungen

Bei einem Sukuk veräußert der Initiator einen Vermögensgegenstand an eine Zweckgesellschaft, die sich über sogenannte Sukuk-Zertifikate refinanziert. Der Investor erhält Zahlungen wie bei einer klassischen Anleihe. Eine erste prominente Transaktion gab es in Europa bereits 2004: Sachsen-Anhalt legte eine Anleihe in Form eines islamischen Bonds auf.

Allerdings sind nur bestimmte Vermögensgegenstände für diese Finanzierungsart geeignet. So war etwa der Sukuk des Landes Sachsen-Anhalt über Leasingstrukturen mit Gebäuden der Finanzverwaltung unterlegt. Auch Flugzeuge und Schiffe, Flughäfen, Rohstoffe und sogar Vermarktungsrechte eignen sich als Basis für solche Anleihen. Daneben gibt es eine Reihe weitere Vorgaben für die Strukturen von Sukuks, etwa im Hinblick auf die Ausgestaltung der Rückkaufsoption.

Einige Gestaltungsoptionen werden von Gelehrten in Frage gestellt. So veröffentlichte die Accounting & Auditing Organisation for Islamic Financial Institutions in Bahrein (AAOIFI), eine renommierte Interessenorganisation im Bereich Islamic Finance, 2008 eine Verlautbarung, nach der eine Vielzahl seinerzeit gängiger Sukuk-Strukturen nicht Scharia-konform wären. Die praktischen Auswirkungen des AAOIFI Papiers sind beschränkt, denn die Vorgaben lassen sich einfach umsetzen.

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