Jagd auf Steuersünder: Aktion „Weißer Wal“

Jagd auf Steuersünder
Aktion „Weißer Wal“

Wie die spanischen Behörden deutschen Steuersündern auf die Spur kommen wollen

Familie Kerstens* (Name von der Redaktion geändert) aus Stuttgart erlebt unsichere Zeiten. Vater Gerd, früher ein erfolgreicher Unternehmer, ist krank und arbeitslos. Mutter Elsa ist Hausfrau, muss ein behindertes und zwei studierende Kinder versorgen. Die Familie kann seit Jahren ihre Hypothek nur unregelmäßig bedienen. Schon mehrmals war das Einfamilienhaus unter dem Hammer. Immer wieder zauberte der 60-jährige Vater im letzten Moment noch ein paar Tausender aus der Tasche.

Gut, dass es die Strandwohnung nahe Malaga gibt, die Kerstens vor zehn Jahren für 35 000 Euro gekauft hatte. Knapp die Hälfte davon war Schwarzgeld - Gewinne aus seinem Betrieb, die er am Fiskus vorbeigeschleust hatte. Die 8000 Euro im Jahr, die die Vermietung des Ferienhauses bringt, tauchen in der Steuererklärung nicht auf. "Wir sind froh, dass wir diesen Batzen noch in der Hinterhand haben", sagt Kerstens.

Da die Wohnung dank des Immobilienbooms inzwischen an die 220 000 Euro wert sein dürfte, denkt er schon länger über einen Verkauf nach. Aber wie, ohne dass das Schwarzgeld auffliegt? Einen Käufer zu finden, der so viel Bares auf den Tisch legt, ist fast unmöglich. Wird der Deal dagegen über ein Konto abgewickelt, bleiben die Daten gespeichert und wären jahrelang für deutsche Steuerfahnder abrufbar.

Selbst wenn Kerstens nicht verkauft, könnte es an seinem Platz an der Sonne bald ungemütlich werden. Die sozialistische Regierung geht massiv gegen Geldwäscher und Steuerhinterzieher vor. So werden die drei Millionen offiziell leerstehenden Wohnungen in Spanien - wie die der Kerstens - derzeit nach und nach inspiziert, um Steuersündern auf die Spur zu kommen.

"Die spanische Regierung hat angekündigt, dass sie endlich eine Liste von ausländischen Immobilienbesitzern erstellen will", sagt Carlos Anglada Bartholmai, Leiter der Kanzlei Monereo, Meyer & Marinel-lo Abogados auf Mallorca. Zudem wurde das Geldwäschegesetz verschärft. "Anwälte und Notare sind jetzt verpflichtet, weit gehende Informationen über ihre Mandanten einzuholen und Geschäfte bei Verdacht auf Geldwäsche an die Aufsichtsbehörde zu melden", sagt Anglada Bartholmai.

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