Jahresbescheinigung
Banken rechnen Erträge oft falsch ab

Finanzbeamte fordern von Anlegern häufig die Jahresbescheinigung der Banken über Kapitalerträge an. Doch Vorsicht: Die Geldinstitute rechnen oft falsch ab zulasten ihrer Kunden. So können Anleger ihre Zinsen und Dividenden vorm Fiskus retten.

Steuerberater Peter Michalsky aus Beckum in Westfalen liegt mit dem Finanzamt seit Wochen im Clinch - es geht um 14,50 Euro. Sein Mandant hält Anteile an einer Aktiengesellschaft und kassierte deshalb eine kleine Dividende. Die Finanzbeamten hatten ihm davon besagte 14,50 Euro als Quellensteuer abgezogen, denn der Mann hatte vergessen, der Bank einen Freistellungsauftrag für Zinserträge zu erteilen.

Jetzt will der unerfahrene Aktionär das Geld zurück und pocht dabei auf seine beim Finanzamt abgelieferte Jahresbescheinigung, in der seine Bank alle Kapitalgewinne und die darauf gezahlten Steuern - einschließlich der umkämpften Summe - bescheinigt. Doch der westfälische Fiskus schaltet auf stur: Eine schöne, freiwillige Bescheinigung sei das, aber sie reiche leider nicht als Beleg. Erst wenn der Aktionär das Extra-Formular vorlegt, das ihm die Bank unmittelbar nach der Dividendenausschüttung schickte, ja dann gäbe es das Geld zurück.

Steuerstichtag 31. Mai: Was in diesem Fall wie Streit um Kleingeld erscheint, hat auf die Republik hochgerechnet millionenschwere Zins- und Dividendenausfälle bei Anlegern zur Folge. Die meisten verlassen sich bei der Steuererklärung, in der sie alle Kapitalgewinne angeben müssen, auf die Bankbescheinigungen und ahnen nicht, wie oft schon die Banken dabei Fehler machen. Aber auch der Fiskus ist nicht besser. So fliegen mühsam erwirtschaftete Gewinne wieder zum Fenster hinaus.

Hoffnungen enttäuscht

Als der Staat die Jahresbescheinigung im vergangenen Jahr verordnete, verkaufte das Finanzministerium den neuen Bürokratie-Zugewinn als Grund zum Jubeln. So werde die Steuererklärung zum Kinderspiel: Anleger könnten mit ihr auf einen Blick sehen, wie viel Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne sie kassiert - und zu versteuern - hätten. Auch Steuerberater freuten sich. "Endlich bekomme ich eine automatische Zusammenstellung der Geldanlagen und muss meine Mandanten nicht ständig mit Rückfragen löchern", hoffte Michalsky.

Schön wär's. Wer Geld zurück will, stößt bei den Beamten oft auf taube Ohren. Umso aktiver werden sie, sobald sie zusätzliche Einnahmen wittern. Denn die Jahresbescheinigung liefert ihnen auch verschwiegene Kapitalerträge frei Haus. Was schließlich der Sinn der Übung ist: Der Bundesfinanzhof hatte Ende 2005 erklärt, dass mit ihr nun endlich Fairness beim Steuerzahlen herrsche. Zuvor hatte er bemängelt, dass in Deutschland nur die Gutmütigen den Staat an ihren Zinsen und Spekulationsgewinnen beteiligen und sich der Rest ungestraft verdrücken kann. Nun weiß der Fiskus zwar mehr über seine Kundschaft, aber leider nicht immer das Richtige: Die Bankbescheinigungen stecken häufig voller Fehler. Den Banken können Anleger das nicht ankreiden. Die Informationen sind unverbindlich.

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