Kaffeekette

Wie Starbucks sich um die Steuern drückt

Starbucks zählt zu den erfolgreichsten Kaffeehäusern der Welt. Steuern gezahlt hat das Unternehmen in Deutschland und anderen europäischen Ländern aber bisher nicht – und das offenbar ganz legal.
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Ein Starbucks in Frankfurt. Das Unternehmen ist um die Steuern in Deutschland bisher offenbar herumgekommen. Quelle: Reuters

Ein Starbucks in Frankfurt. Das Unternehmen ist um die Steuern in Deutschland bisher offenbar herumgekommen.

(Foto: Reuters)

London/BerlinWer am Brandenburger Tor einen „Mocha Frappuccino“ oder eine „Apple Crumble Latte“ genießen will, braucht Geduld. Die Filiale des US-Kaffeerösters Starbucks in Sichtweite des Berliner Wahrzeichens ist eigentlich immer brechend voll. Seit der Eröffnung des ersten Coffee House in Deutschland mit der prominenten Adresse Pariser Platz 4 vor zehn Jahren wurden 150 weitere Verkaufsstellen eröffnet. Das Geschäft von Starbucks in Deutschland brummt – aber wie kommt es, dass die Kette seit 2002 hierzulande noch nie Ertragssteuern gezahlt hat? Auch nicht in Frankreich, wo Starbucks seit 2004 mit inzwischen 60 Läden präsent ist. Der Fall wirft ein Schlaglicht darauf, wie sich internationale Konzerne – ganz legal – steuerlich arm rechnen.

Der in Seattle beheimatete Kaffee-Konzern legt Wert auf ein soziales Image. „Starbucks hat eine Vielzahl von Programmen auf die Beine gestellt, die darauf abzielen, den Gemeinschaften, in denen und für die wir arbeiten, etwas zurückzugeben“, heißt es auf der deutschen Website. Steuern gehören offensichtlich nicht dazu. 2011 hat Starbucks in Deutschland einen Umsatz von 117 Millionen Euro ausgewiesen. Dennoch hat die Kette einen Verlust von 5,3 Millionen Euro gemacht – und deshalb auch keine Steuern entrichtet, genauso wie in den vorangegangenen Jahren seit 2002.

Weder in Deutschland noch in Großbritannien, wo die Steuerpraxis von Starbucks sogar das Parlament beschäftigt, wird der Vorwurf erhoben, die zweitgrößte Kaffee- und Restaurantkette der Welt nach McDonalds handele illegal. Dennoch bleibt bei manchen ein bitterer Nachgeschmack zurück. So sagt der Grünen-Europaparlamentarier Sven Giegold, er werde das Thema bei den Steuerbehörden in Bayern ansprechen, wo die deutsche Zentrale sitzt. Die Linke will das Bundesfinanzministerium um Aufklärung bitten. Die Ministerien in Berlin und Paris wollten sich mit Blick auf das Steuergeheimnis zu dem Fall bisher nicht äußern.

Wer denkt, Starbucks gehe es finanziell so schlecht, dass es keine Steuern bezahlen könne, irrt. Am Donnerstag veröffentlichte der Konzern Zahlen, nach denen der Gesamtumsatz im vergangenen Quartal um elf Prozent auf 3,36 Milliarden Dollar gestiegen ist, das Nettoergebnis lag bei 359 Millionen Dollar. Die Geschäfte laufen so gut, dass Starbucks seine Gewinnerwartungen nach oben schraubte: Die Aktie sprang um sieben Prozent auf 49,90 Dollar.

„Im Rahmen der Gesetze“
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6 Kommentare zu "Kaffeekette: Wie Starbucks sich um die Steuern drückt"

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  • Sehr gut! Einer verstehts...

  • Welche Infrastruktur? Verkauft Starbucks Kaffee direkt auf dem Gleis? Die zahlen Miete... Und wenn Politiker nicht in der Lage sind anstaendige Steuergesetze zu entwerfen, dann haben sie eben Pech gehabt und sollten ins Knie geschossen werden.

  • echt zum totlachen unsre tolle EU - den Trick mit den Lizenzgebühren über die Niederlande kannte ich nocht nicht. Wie kann das sein, dass innerhalb der EU in einem Land eine Einkunftsart komplett anders behandelt wird als in anderen EU-Ländern? Wenn so etas schon nicht zu harmonisieren (und hier wünscht man sich das mal) ist, wie soll dass dann mit einer einheitlichen oder besser gesamtheitlichen Wirtschafts- und Finanzpolitik werden, die nun doch angestrebt wird, weil ja notwenidg zur Eurorettung...

    Ganz zu schweigen von den unterirdisch niedrigen Körperschaftssteuersätzen in Irland, auch die absolute Verzerrung... und keiner hatte den Mut dies mal den Iren klar anzusagen als die bettlend bankrott vor 3 (?) Jahren aufgefangen wurden.
    Ich sga ja : zum totlachen!

  • Ich trinke meinen Kaffe dort, wo ich davon ausgehen kann, dass der Anbieter, wie ich brav seine angemessenen Steuern in Deutschland zahlt.

  • Das heißt also, dass sich Starbucks genauso verhält, wie die griechischen Reeder?

    Starbucks nutzt also Infrastruktur, ohne diese via Steuern zu bezahlen?
    Und die Bürger sollen dann mehr Steuern zahlen, damit Starbucks die Infrastruktur kostenlos nutzen kann?

    Prima: Wenn ich mich wie Starbucks verhalte, darf ich kostenlos Bahn fahren, muss den Taxifahrer nicht bezahlen und bezahle nicht den Sprit an der Tanke.

    Asoziales Verhalten Seitens Starbucks, nicht wahr?

  • "Nach den Recherchen von Reuters nutzt Starbucks lediglich die Möglichkeiten aus, die die EU-Länder selbst geschaffen haben und wegen des Einstimmigkeitsprinzips in Steuerfragen nicht geändert bekommen."

    Na dann ist doch alles in Butter. Freuen wir uns, dass sie einen Weg gefunden haben, Ihr Geld vor den unfähigen und verschwenderischen Staatsbürokraten zur retten! Hoffen wir, dass sie es investieren und noch mehr Arbeitsplätze schaffen.

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