Kein Auftrag ist mehr zu klein
Die Preise sinken, die Qualität auch

Eine neue Handelsblatt-Umfrage bei Wirtschaftsprüfern bringt es an den Tag: In der Branche tobt ein Preiskampf. Hintergrund sind massive Überkapazitäten vor allem bei den großen Prüfungsgesellschaften.

HB DÜSSELDORF. Wer Gerd Heymann kennt, schätzt ihn als freundlichen, vor allem aber als seriösen Gesprächspartner. Doch vor drei Wochen hätte man einen anderen Heymann kennengelernt, denn was der Hamburger Wirtschaftsprüfer von Schlage & Co da erfuhr, ging ihm wahrlich gegen den Strich. Die Konkurrenz hatte den Zuschlag bekommen, weil sie die Abschlussprüfung der renommierten Hamburger Stiftung für sage und schreibe 0,- Euro angeboten hatte. "Dafür kann doch keiner Qualität bieten, mit solchen Methoden geht doch ein ganzer Berufsstand den Bach runter!", tobt Heymann.

Sein Frust ist kein Einzelfall. Dass in der Branche derzeit ein Preiskampft tobt - insbesondere um Mandate für Jahresabschlussprüfungen - bestätigen 91 Prozent der Wirtschaftsprüfer. Und überwältigende 86 Prozent der Wirtschaftsprüfer befürchten, dass der Preiskampf zu einem Verlust an Qualität führt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Handelsblatts unter 300 großen deutschen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften (Rücklaufquote 30 Prozent).

"Dieses Umfrageergebnis ist skandalös. Früher hätte keiner zugegeben, dass unter den Dumpingpreisen die Qualität leidet", wettert Karlheinz Küting, Professor für Wirtschaftsprüfung an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Doch das hat sich geändert. In dem Berufsstand, der nie laut wird, brodelt es wie in einem Hexenkessel. "Wir machen ein Angebot und die Konkurrenz liegt 60 Prozent darunter. Da kann doch keiner seine Kosten decken", sagt Bernd Rödl von Rödl & Partner. Sein Haus ist jüngst in die Schusslinie der Staatsanwälte geraten. Der Vorwurf an drei Rödl-Prüfer: Sie hätten sich an der Insolvenzverschleppung der Finanzgrupppe SMP aus Gumpertsreuth beteiligt. Rödl bestreitet die Vorwürfe. Sie hätten sich korrekt verhalten und sogar ihr Testat verweigert.

Die Umfrage des weiteren: Die Zeit für die Prüfung wird immer knapper. 80 Prozent der Prüfer spüren einen viel größeren Termindruck als früher. Schon zum Ende des ersten Quartals wollen die meisten Firmen das Testat auf dem Tisch haben - trotz Niedrigpreisen. Besonders erbittert sind die Prüfer dabei über die Zielrichtung der Kämpfe: Die großen Dampfer verdrängen die kleinen Skipper. 86 Prozent der Prüfer sehen die großen WP-Gesellschaften - Price Waterhouse Coopers, KPMG, Ernst & Young und Deloitte - im Mittelstand Mandanten wildern. 58 Prozent der kleineren Kanzleien beklagen bereits Mandatsabwanderungen zu Größeren und erbitterte Preiskämpfe.

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