Kein Investitionshemmnis
Abgeltungssteuer lässt Profis kalt

Die von der Bundesregierung geplanten höheren Steuern auf Kapitalerträge sollten Sparer bei ihrer Altersvorsorge nicht übermäßig beachten. Beim Sparen für den Ruhestand gebe es wichtigere Faktoren, wie unabhängige Finanzexperten auf einer Podiumsdiskussion des Handelsblatts auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart betonten.

hus STUTTGART. Viel wichtiger, so die Finanzexperten, sei eine vernünftige Beratung und das Vermeiden von offenen und versteckten Gebühren einer Anlage. Steuern änderten sich im Laufe eines Berufslebens so häufig, dass sich Steuersparmodelle rasch überholten.

Seit 1. Januar ist der Sparerfreibetrag für Kapitalerträge halbiert, ab 2009 plant Berlin eine pauschale Abgeltungssteuer von 25 Prozent auf alle Kapitalerträge. "Statt einer Rendite von vier Prozent haben sie dann nur noch drei Prozent", sagte Kapitalmarktexperte Martin Weber von der Universität Mannheim, "mehr heißt das nicht." Dafür lohne es sich nicht, in dubiose Anlagen zu investieren. Weit größere Beträge gingen oft heimlich über Gebühren verloren, deren langfristige Wirkung Anlegern meist nicht bewusst sei. Er rechnete vor: eine Anlage von 1 000 Euro, die sich mit acht Prozent rentiert erbringt nach 30 Jahren 10 000 Euro. Gehen jährlich drei Prozent Gebühren ab, bleiben dem Sparer nach dreißig Jahren nur 4 300 Euro. "Dieser Hebeleffekt ist vielen Anlegern nicht klar", sagte Weber, "weil das menschliche Hirn den Zinseszinseffekt nicht abschätzen kann."

Leider spiele oft auch die Psychologie den Anlegern einen Streich, sagte Michael Huber vom VZ-Vermögenszentrum in München. "Ich glaube, dass viele Leute lieber unbemerkt 5 000 Euro für versteckte Gebühren drauflegen, als einmal tausend Euro für eine vernünftige Beratung zu bezahlen." Wobei der gerichtliche Sachverständige für Falschberatung, Dietmar Vogelsang aus Bad Homburg, darauf hinwies dass auch die Beratung oft Wünsche offen lasse. "Ich schätze, dass in etwa 80 Prozent der Fälle zu oberflächlich oder gar falsch beraten wird", sagte er. Dazu gehöre auch, dass jede Steueränderung rasch als Argument für den Verkauf teurer neuer Produkte verwendet werde. Als Beispiel nannte Huber die Lebensversicherung. Dass sie den Anleger in der Ansparphase keine Kapitalertragssteuer kostet, sei in den meisten Fällen bei genauerer Prüfung kein Kaufargument sagte er. Einen guten Berater erkenne man daran dass er intensiv nach der persönlichen Situation des Kunden fragt, meinten die Experten. Auch kläre er die Kunden genau über die Risiken einer Anlage auf und darüber, womit er sein Geld verdient.

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