Keine Entschädigung
Parmalat unterliegt vor US-Gericht

Parmalat bekommt keine Entschädigung von der Citigroup. Im Gegenteil: Der Lebensmittelkonzern soll der Bank stattdessen 364 Mio. Dollar zahlen. Parmalat wirft der Bank vor, jahrelang die Schuldenlast des Konzern verschleiert zu haben. Die Investoren schickten die Parmalat-Aktie nach dem Urteil auf Talfahrt.

MAILAND. Der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat hat vor einem US-Gericht seine erste große Schlappe kassiert. Die Jury hat entschieden, dass die Italiener kein Recht auf eine milliardenschwere Entschädigung von der Citigroup haben und dass sie stattdessen selbst eine Entschädigung von 364 Mio. Dollar an die US-Bank zahlen müssen. Da Parmalat die Summe in Form von Aktien zahlen soll, wäre Citigroup damit mit 1,1 Prozent am Kapital von Parmalat beteiligt. Das italienische Unternehmen hat angekündigt, Berufung einzulegen.

Der Milchkonzern Parmalat war Ende 2003 unter einer milliardenschweren Schuldenlast zusammengebrochen. Aus den Resten des Konzerns ist die neue Parmalat SpA entstanden, die außer auf das traditionelle Lebensmittelgeschäft vor allem auf Klagen gegen Banken und Wirtschaftsprüfer setzt. Das Management wirft den Banken vor, um die desaströse Lage des Konzerns gewusst und geholfen zu haben, die Situation zu verschleiern. Damit hätten sie die Insolvenz herausgezögert und die Lage noch verschlimmert. Bisher hat Parmalat sich bereits mit 21 Banken und Wirtschaftsprüfern geeinigt und insgesamt 1,89 Mrd. Euro kassiert. Allein von Citigroup hatte Parmalat 1,92 Mrd. Dollar gefordert.

Citigroup hat den Spieß umgedreht und ihrerseits gegen Parmalat geklagt. Die Bank wirft Parmalat Betrug und fahrlässige Falschdarstellung vor, wofür nun die neue Parmalat geradestehen soll. Die Mitarbeiter der Bank hätten nichts von den Betrügereien des damaligen Parmalat-Chefs Calisto Tanzi gewusst. Während seiner Zeit als Unternehmenschef war ein angeblich 3,95 Mrd. Dollar schweres Konto bei der Bank of America in den Büchern geführt worden. Das existierte aber gar nicht und die Unterlagen dazu waren gefälscht. Der neue Chef Enrico Bondi sanierte den Konzern und strukturierte ihn um, so dass Parmalat 2005 wieder an die Börse zurückkehren konnte.

Die Investoren zeigten sich überrascht über das Urteil des amerikanischen Gerichts und schickten den Kurs der Parmalat-Aktie auf Talfahrt. Der Aktienkurs verlor gestern zwischenzeitlich mehr als 20 Prozent und wurde vom Handel ausgesetzt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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