Kirchensteuer

Wer nicht zahlt, bekommt keine Sakramente

Wer aus der katholischen Kirche austritt, um Steuern zu sparen, hat auch keinen Anspruch mehr darauf, an der Glaubensgemeinschaft teilzuhaben. Das hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden.
65 Kommentare
Der Kirchensteuer-Rebell Hartmut Zapp darf sich nicht vor der Kirchensteuer drücken und trotzdem in der Glaubensgemeinschaft bleiben. Quelle: dpa

Der Kirchensteuer-Rebell Hartmut Zapp darf sich nicht vor der Kirchensteuer drücken und trotzdem in der Glaubensgemeinschaft bleiben.

(Foto: dpa)

LeipzigEin reiner Austritt aus der Kirchensteuer, aber nicht aus der katholischen Kirche als Glaubensgemeinschaft ist in Deutschland nicht möglich. Das hat das Bundesverwaltungsgericht am Mittwoch in Leipzig entschieden (Az.: BVerwG 6 C 7.12). Der „Kirchensteuer-Rebell“ Hartmut Zapp aus Freiburg ist damit gescheitert.

Der emeritierte Kirchenrechtsprofessor aus Baden-Württemberg hatte 2007 seinen Austritt aus der katholischen Kirche als „Körperschaft öffentlichen Rechts“ erklärt und keine Steuern mehr gezahlt. Trotzdem wollte er weiter gläubiges Kirchenmitglied sein. Er wollte nicht akzeptieren, dass der Glaube an einen Zwangsbeitrag gekoppelt wird und die Kirche als Körperschaft öffentlichen Rechts mit dem Staat die Eintreibung der Kirchensteuer vereinbart hat.

Der Staat sei verpflichtet, Kirchensteuern von Kirchenmitgliedern einzutreiben, urteilte der 6. Senat des Bundesverwaltungsgerichts. Wer freiwillig seinen Austritt erkläre, sei aus Sicht des Staates kein Kirchenmitglied mehr - ganz gleich, welche Motive ihn antreiben. Wie die Religionsgemeinschaft mit ihren Abtrünnigen umgeht, sei Sache der Kirche und nicht des Staates. Die Bischofskonferenz hatte vorige Woche klargestellt, dass sie einen Teil-Austritt nicht akzeptiert.

Die Deutsche Bischofskonferenz hatte mit Blick auf Zapps Klage kürzlich ein päpstliches Dekret erwirkt, wonach Katholiken in Deutschland ihre Rechte auf Sakramente verlieren, wenn sie aus Gründen der Steuerersparnis aus der Kirche austreten. Die katholische Reformbewegung "Wir sind Kirche" hatte das Dekret, das die Mitgliedschaft in der Kirche ausdrücklich von Steuerzahlungen abhängig macht, als "Pay and Pray" (zahle und bete) kritisiert.

In erster Instanz hatte Zapp gewonnen
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

65 Kommentare zu "Kirchensteuer: Wer nicht zahlt, bekommt keine Sakramente"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich wußte es doch, auch die Kirche ist nur ein Geschäft. Bezahlst Du Kirchensteuer, dann bist Du ein guter Mensch. Bezahlst Du keine Kirchensteuer dann bist Du ein schlechter Mensch. Typisch Kirche

  • Die Argumentation der Kirchen greift zu kurz: Jeder Steuerzahler in Deutschland finanziert die Kirchen mit - auch Nichtmitglieder:

    1. Bei der evang. Kirche über das besondere Kirchgeld in glaubensversch. Ehe,
    2. über die seit 1803 bestehenden Staatleistungen,
    3. Über die Abziehbarkeit gezahlter Kirchensteuer anderer Leute als Sonderausgaben (laut Bundesrechnungshof immerhin 3 Mrd. Euro pro Jahr),
    4. Über die Steuerfreiheit sämtlicher Einkünfte und Grundbesitztümer der Kirchen.

    Alle Steuerzahler sollten zumindest anteilige Sakramente für ihre nachweislich gezahlten Steuern an die Kirchen verlangen.

  • Das könnte Ihnen so passen. Sie mit Ihrer Ethiksteuer. Um mich anständig zu verhalten, brauche ich keine Kirche mit dieser Vergangenheit! Ihr Ansinnen ist so thypisch für diese Kirchen-Diktatur. Regelrecht abartig!

  • Spare lieber die Steuern. Die Sakramente sind ohnehin vollkommen wertlos.
    Ein Geschäftsmodell mit einem beneidenswerten Profit und erstaunlicher Lebensdauer. Die Katholiken sollten an die Börse gehen!

  • "Die Kirchen, die auf Geldbergen sitzen, könnten doch auch etwas beitragen?"
    ------------------------
    Eher wird der "Teufel" katholisch...

  • "Keine Neue Steuer - Ersatz für KiSt!"
    -------------
    Hallo!? Sehr energischer Widerspruch! Für mich wäre das eine neue Steuer, da ich, sobald ich das Elterhaus verlassen konnte, der Kirche sofort den Rücken kehrte. Das was ich einsparte, ergab einen veritablen Jahresurlaub!
    Wir zahlen in diesen Land nun wirklich genug an Abgaben aller Art und meine soziale Einstellung endet ohnehin bei meiner Familie oder auch meinem Clan, wenn Sie so wollen...

  • "Im Übrigen ist die effektive Belastung für den Steuerpflichtigen gleich NULL, denn die Kirchensteuer wird in vollem Umfang als Sonderausgabe auf die Einkommensteuer angerechnet."

    ..tolle Rechnung, Herr Milchmädchen... :-)

  • Gott braucht eben Geld. VIIIEEL Geld.

    Oder sind es andere, die das brauchen...?

    Da fällt mir die Finanzkrise ein: Die Kirchen, die auf Geldbergen sitzen, könnten doch auch etwas beitragen?

  • @Der_Henker,
    ich würde es mir genauso einfach machen wie Sie, ich sehe auch nicht ein warum ich Rentenbeiträge aus versteuertem Einkommen bezahlen musste und meine künftige Rente wie die Pensionen versteuert werden. Die Beamten aber keinen Cent für die Pensionen einzahlten, ebenso höre ich derzeit nichts das die Pensionen künftig wie die Renten auf 43% abgesenkt werden. Also hören Sie auf sich als Pensionär gegenüber den Rentnern als benachteiligt darzustellen.

  • @brainy,
    völliger Quatsch was Sie erzählen, die Kirchen wären natürlich nicht platt, nur in Deutschland werden die Steuern vom Staat eingezogen und nur in Deutschland bekommen die Priester ein festes Gehalt, deshalb ist es den meisten auch vollkommen egal wieviele in die Kirche kommen. In anderen Ländern zahlt man für die Leistungen die die Kirche erbringt zum Beispiel bei einer Heirat oder Taufe sowie das Gebet am Friedhof. Der Vorteil jeder Pfarrer ist bemüht seine Gemeinde zusammen zu halten. Ein weiterer Vorteil wenn ein Pfarrer Mist baut wird er in eine kleinere Gemeinde versetzt was gleichzeitig einen finanziellen Verlust bedeudet, andersherum wenn jemand gut ist erhält er eine größere Gemeinde und somit mehr Einnahmen. Ich kenne dies aus Polen alle Kirchen sind Sonntags voll und jeder Parrer bereitet die Kommunionskinder selbst auf die Kommunionfeier vor. Hier in Deutschland sagte der Pfarrer zu den Eltern wenn sich niemand bereiterklärt die Kinder vorzubereiten dann fällt die Kommunionsvorbereitung eben aus. Das ist für den Pfarrer in Deutschland kein Problem er erhält sein Gehalt weiterhin auch wenn er in eine andere Gemeinde versetz wird.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%