Laut höchstrichterlichem Urteil muss Kunde Zahnarzt selbst zahlen
Bäcker haftet nicht für Kirschkern im Kuchen

Der gefürchtete Kirschkern im Kuchen hat nun auch das höchste deutsche Zivilgericht beschäftigt. Wer haftet, wenn ein Bäckerkunde ihn schluckt? Noch schlimmer: Wer zahlt die Arztkosten, wenn beim Draufbeißen ein Stück Zahn abbricht? Der Kunde, entschied der Bundesgerichtshof in einem am Montag veröffentlichten Urteil.

ap KARLSRUHE. Im westfälischen Islerlohn hatte am 27. Januar 2007 ein Kunde einen "Kirschtaler" gekauft, ein Gebäck mit Kirschfüllung und Streuselbelag. Beim Verzehr des süßen Teilchens biss der Mann auf einen Kirschkern, der sich in das eigentlich entsteinte Obst hineingemogelt hatte. Dem Kunden brach ein Teil seines oberen linken Eckzahns ab. 235 Euro verlangte er vom Konditor für die Zahnarztkosten, plus 200 Euro Schmerzensgeld. Der Rechtsstreit nahm seinen Lauf und ging durch alle Instanzen.

Das Amtsgericht und das Landgericht Iserlohn befanden, dass der Konditor zahlen müsse. Denn ein eingebackener Kirschkern sei ein Produktfehler. Aber dann setzten sich die Karlsruher Richter als höchste Gerichtsinstanz mit dem Fall auseinander.

Drei Bundesrichterinnen und zwei Bundesrichter bewiesen, dass sie auch vom Backen etwas verstehen. Eine vollkommene Sicherheit vor versteckten Kirschkernen wäre nur dann zu erreichen, wenn die Kirschen durch ein Sieb gedrückt würden. Dann "würde aber nur Kirschsaft hervorgebracht, mit dem die Herstellung eines Kirschtalers nicht möglich wäre".

Die einzig verbleibende Alternative, nämlich jede Kirsche einzeln zu untersuchen, sei angesichts des Aufwands unzumutbar, zumal keine schwerwiegende Gesundheitsgefahr drohe. Schließlich wisse der Verbraucher, "dass die Kirsche eine Steinfrucht ist." Der Konsument könne folglich nicht erwarten, dass ein Kirschgebäck keinerlei Steine enthalte.

(Aktenzeichen: Bundesgerichtshof VI ZR 176/08)

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