Lebensversicherungen
Mantel des Schweigens

Liechtensteiner Lebensversicherungen sind derzeit der Renner bei reichen deutschen Steuersparern. Wie der Trick läuft.
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Kürzlich noch war der Mann voller Begeisterung für das "wirklich tolle Produkt", nun will er seinen Namen lieber nicht mehr "im Zusammenhang mit Liechtenstein in der Zeitung lesen". Der Vermögensverwalter aus dem Rheinland wurde noch nie von der Finanzaufsicht geprüft, und das, meint er, solle so bleiben. "Ich würde das ja förmlich provozieren." Obwohl "die Liechtensteiner Lebensversicherungsmäntel natürlich völlig legal sind - auch nach deutschem Recht".

Da hat er Recht. Nicht jeder, der sein Vermögen in eine Liechtensteiner Lebensversicherung einbringt - und das sind derzeit viele -, will es am Fiskus vorbei zumwinkeln. Versicherer wie die zur Swiss Life gehörende Capital-Leben mit Sitz im liechtensteinischen Schaan nutzen lediglich eine Besonderheit im Steuerrecht, um die Abgeltungsteuer teilweise auszubremsen, die ab 2009 auf alle Kapitalerträge pauschal fällig wird: Während alle anderen Anleger künftig von ihren Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen jedes Jahr gut ein Viertel dem Fiskus abgeben müssen, bleiben Erträge innerhalb einer Lebensversicherung (LV-Mantel) zunächst steuerfrei. Erst bei Entnahme fällt Steuer auf den Wertzuwachs an. Größter Vorteil: Die Steuer wird zwar nicht komplett umgangen, bis zur Entnahme aber gestundet.

So profitiert der Anleger während der Laufzeit der Versicherung vom vollen Zinseszinseffekt, während die Abgeltungsteuer in Depots ohne LV-Mantel die Gewinne abschmilzt. Modellrechnungen zeigen, dass der im Mantel vor dem regelmäßigen Zugriff des Fiskus geschützte Ertrag nach 15 Jahren Laufzeit um bis zu 20 Prozent höher ist als in normalen Depots, die der Abgeltungsteuer unterliegen. Der Schutz des Zinseszinses funktioniert zwar auch mit Fonds, weil Fondsmanager ihre Kursgewinne ebenfalls nicht versteuern müssen, so lange sie sie in Fonds reinvestieren. Allerdings sind Zinsen und Dividenden nur im LV-Mantel steuerfrei; in Fonds nicht.

Weiterer Vorteil der LV: Die im Mantel angefallenen Kapitalerträge sind nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit und "bei altersnaher Entnahme" - sprich: jenseits der 60 - steuerbegünstigt. Sie werden nur zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz belegt. "Diese Steuerschuld liegt dann selbst bei Spitzenverdienern unter den 25 Prozent plus Soli plus Kirchensteuer, die die Abgeltungsteuer ab 2009 jedes Jahr einfordert", so Tom Friess, Geschäftsführer des VZ Vermögenszentrums in München.

Trotzdem will längst nicht jeder Anleger sein Vermögen in Lebensversicherungen umschichten. Schließlich sind die Produkte teuer und unflexibel. Nicht mehr der Anleger bestimmt bei der LV, wie sein Geld investiert wird, sondern ein Anlageausschuss in einem Versicherungskonzern. Und das meist ziemlich schlecht, wie die Ausschüttungskürzungen der Lebensversicherungen 2001 und 2002 bewiesen.

Auch bei fondsgebundenen Lebensversicherungen hat der Kunde kaum Auswahlmöglichkeiten, in welche Fonds innerhalb der Fondspolice er investieren will. Meist beschränkt sich die Kapitalanlage auf wenige Aktien-, Renten- oder Mischfonds der Marktführer wie DWS oder Union Investment. Vielen - vor allem reichen - Anlegern ist das viel zu starr. Sie sind die Vorzüge der individuellen Vermögensverwaltung gewöhnt, und maßgeschneiderte Depots aus Aktien, Renten, Bargeld oder Private Equity.

Das haben auch die findigen Geldmanager in Liechtenstein erkannt - und eine so einfache wie geniale Lösung ersonnen: Sie überlassen die Kapitalanlage innerhalb der Versicherung schlicht dem Kunden. LV-Mäntel bieten zwar auch zahlreiche Assekuranzen aus Luxemburg, der Schweiz oder Großbritannien an, aber keine ist auch nur annähernd so flexibel und diskret wie die Liechtensteiner. Dort können etwa Capital-Leben-Kunden den Vermögensverwalter und die Depotbank selbst bestimmen.

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