LGT nennt Informanten
Der Mann, der die Steuerdaten klaute

Langsam bekommt der Schatten ein Gesicht. Der Mann, der tausende vermögende Europäer dem Fiskus ausgeliefert haben soll, ist bei internationalen Fahndern kein Unbekannter. Fotos des Liechtensteiners kursieren jetzt in der Öffentlichkeit. Die Steuerbetrugs-Geschichte wird immer mehr zur Räuberpistole.

DÜSSELDORF. Unauffällig soll er privat sein, etwas kauzig und ein Einzelgänger. So beschreiben Nachbarn den Mann, der europaweit tausende Millionäre das fürchten lehrt. Die Liechtensteiner Bank LGT hat » bestätigt, dass die Steuerdaten vermögender Kunden vermutlich von ihrem 42-jährigen Ex-Mitarbeiter Heinrich Kieber an den BND verkauft wurden.

Dabei galt Kieber in seiner Umgebung als nicht besonders auffällig. In seinem Heimatort Balzers, einem 4500-Seelen-Örtchen im Fürstentum, kann man sich noch gut an "Henry" erinnern, wie Kieber dort genannt wird. "Er war eher verschwiegen, erzählte nie von seiner Arbeit", werden Nachbarn in » Schweizer Zeitungen zitiert. Demnach galt Kieber als Kauz und Einzelgänger, der allenfalls ab und an durch finanzielle Probleme auffiel. Eine Nachbarsfamilie erzählt, ihn zeitweise "durchgefüttert" haben, im Gegenzug spielt Kieber den Fahrer für die Kinder. Von Verwicklungen in Straftaten will in dem kleinen Liechtensteiner Ort niemand etwas bemerkt haben.

An anderer Stelle ist Kieber dagegen seit langem ein bekanntes Gesicht. Vor allem die Liechtensteiner Bankenszene hat den 42-Jährigen in schlechter Erinnerung. Schonmal hat er Angst und Schrecken unter Europas Vermögenden verbreiten wollen. Im Januar 2003 soll Kieber nach Angaben der Liechtensteiner Staatsanwaltschaft bereits versucht haben, das Fürstentum mit der Herausgabe von LGT-Kundendaten zu erpressen. Es war der vorläufige Höhepunkt einer zwielichtigen Karriere.

Kieber tauchte 1997 das erste Mal auf den Listen internationaler Fahnder auf. Bei einem Immobiliengeschäft in Barcelona soll der Liechtensteiner, dessen Mutter Spanierin ist, durch geplatzte Schecks 600 000 Schweizer Franken für seine private Kasse abgezweigt haben. Deswegen wurde er von den Behörden in Spanien und später auch in Liechtenstein gesucht. Während die internationale Fahndung schon lief, arbeitete Kieber zwischen April 2001 und November 2002 in der IT-Abteilung der fürstlichen Bank LGT. Dort digitalisierte er das Papierarchiv der Bank. Auf diesem Weg ist er offenbar auch an die Kundendaten gelangt. Die LGT will von den damaligen Ermittlungsverfahren gegen ihren Ex-Mitarbeiter erst später erfahren haben.

Nach Angaben der fürstlichen Staatsanwaltschaft erpresste Kieber nach seiner Trennung von der LGT im Januar 2003 die Liechtensteiner Behörden. Sollte er nicht zwei falsche Reisepässe für seine Flucht vor dem internationalen Haftbefehl aus seiner Spanien-Zeit bekommen, werde er Kundendaten der LGT-Treuhand an ausländische Medien und Behörden weitergeben. Die Liechtensteiner ließen sich auf den Deal nicht ein.

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