Mäzene sollten Steurerrecht kennen
Tue Gutes und sprich darüber

Kontinuierlich wächst auch in Deutschland die Zahl derjenigen, die ihr Vermögen dauerhaft in eine gemeinnützige Stiftung einbringen - um Gutes zu tun, Spuren für die Nachwelt zu hinterlassen und um ihr Geld vor dem Zugriff missgünstiger Erben zu bewahren.

DÜSSELDORF. Doch die ganz große Stifterwelle wird hier zu Lande noch von einer Fülle an bürokratischen Rahmenbedingungen aufgehalten. "Wir brauchen eine Reform des Gemeinnützigkeits- und Spendenrechts", fordert deshalb Hans Fleisch, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Gemeinsam mit anderen Dachverbänden und Experten hat seine Institution im April ein Bündnis für Gemeinnützigkeit ausgerufen hat.

Mäzene sollten außerdem die Kniffe und Tricks des Steuerrechts und der Gründungskriterien kennen. Wer hier nicht gut beraten ist, kann später Probleme bekommen.

880 Stiftungen wurden im vergangen Jahr angemeldet, womit die Gesamtzahl auf 13 490 angewachsen ist. Dabei hängt Deutschland nach wie vor weit hinter dem Stiftungsland USA hinterher, wo alleine die Stiftung von Microsoftgründer Bill Gates über ein Kapital von 31 Milliarden US-Dollar disponiert. In Deutschland wird das Stiftungskapital insgesamt auf 60 Milliarden Euro geschätzt. "Angesichts der enormen privaten Vermögenswerte bleibt Deutschland damit weit hinter seinen Möglichkeiten zurück", kritisiert Andreas Schlüter, Generalsekretär des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft, einem Verband, zu dem über 3 500 Stiftungen gehören.

Ein Hauptärgernis für Stiftungswillige ist neben den langwierigen Anmelde- und Anerkennungsformalitäten die unterschiedliche und als zu gering empfundene steuerliche Abzugsfähigkeit der Spenden und Stiftungsgelder bei der Einkommensteuer. So ist der Spendenabzug ist auf maximal zehn Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte begrenzt, wenn so genannte wissenschaftliche, mildtätige und als besonders förderungswürdig anerkannte kulturelle Zwecke gefördert werden. Für sonstige gemeinnützige Zwecke ist der Spendenabzug auf maximal fünf Prozent beschränkt.

Für Spenden an gemeinnützige Stiftungen kann darüber hinaus ein jährlicher Sonderausgabenabzug von 20 450 Euro geltend gemacht werden. Wer eine Stiftung neu errichtet, profitiert einmalig von einem Sonderausgabenabzug von 307 000 Euro.

Um sich dieses steuerliche Bonbon zu sichern, weisen viele der neu gegründeten Stiftungen als Gründungsbetrag genau den steuerbefreiten Betrag von 307 000 Euro auf. "Die jetzige Regelung fördert eine Zerfaserung des Vermögens auf viele kleine Stiftung zu Ungunsten größerer Stiftungen, die entsprechend finanz- und leistungsstärker wären", kritisiert Schlüter. "Alle steuerbegünstigten Zwecke - gemeinnützige, mildtätige und kirchliche - sollten in einem Katalog festgelegt und gleich behandelt werden. Der heute unterschiedliche Spendenabzug bedeutet unnötige Bürokratie und sollte einheitlich gestaltet werden", fordert auch Professor Rainer Walz von der Bucerius Law School.

Seite 1:

Tue Gutes und sprich darüber

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%