Mehrere Berufe
Wo liegt der Mittelpunkt aller Tätigkeiten?

Sofern das häusliche Arbeitszimmer nicht den inhaltlichen (qualitativen) Mittelpunkt aller ausgeübten betrieblichen und beruflichen Tätigkeiten darstellt, ist eine steuerliche Berücksichtigung künftig komplett ausgeschlossen.

Diese gesetzliche Vorgabe kann immer dann zu unliebsamen Überraschungen führen, wenn zusätzlich zu einer im häuslichen Arbeitszimmer ausgeübten (Haupt-)Tätigkeit eine außerhäusliche Nebenbeschäftigung aufgenommen wird. Zuletzt hat die Finanzverwaltung im immer noch geltenden Anwendungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen (BMF) vom 14. September 2004 (IV A 6 - S 2145 - 71/03) konkretisiert, wo ihrer Auffassung nach bei mehreren ausgeübten Berufen der für einen Steuerabzug alles entscheidende Mittelpunkt der Gesamttätigkeit liegen soll:

- Bilden bei allen Erwerbstätigkeiten - jeweils - die im häuslichen Arbeitszimmer verrichteten Tätigkeiten den qualitativen Schwerpunkt, so liegt dort auch der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit.

- Sollten dagegen die außerhäuslichen - jeweils - den qualitativen Schwerpunkt der Einzeltätigkeiten bilden oder diese sich keinem Schwerpunkt zuordnen lassen, kann das häusliche Arbeitszimmer auch nicht durch die Summe der darin verrichteten Arbeiten zum Mittelpunkt der Gesamttätigkeit werden.

- Bildet das häusliche Arbeitszimmer schließlich den qualitativen Mittelpunkt lediglich einer Einzeltätigkeit, sollen die Finanzämter bis zum gegenteiligen Nachweis regelmäßig davon ausgehen, dass der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit nicht im Arbeitszimmer liegt.

Zumindest im letzteren Fall dürfte das aktuelle BFH-Urteil vom 16. Dezember 2004 (IV R 19/03) betroffenen Steuerpflichtigen Schützenhilfe leisten. Darin legten die obersten Finanzrichter fest, dass bei mehreren Betätigungen keineswegs der Mittelpunkt jeder einzelnen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer liegen müsse. Vielmehr werde der Schwerpunkt der Gesamttätigkeit durch den Mittelpunkt der Haupttätigkeit indiziert. Als Haupttätigkeit zählt das Gericht dabei jede nichtselbstständige Vollbeschäftigung aufgrund eines privatrechtlichen Arbeits-/Angestelltenverhältnisses oder eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses.

Geht der Steuerpflichtige mehreren selbstständigen Tätigkeiten oder nichtselbstständigen Teilzeitbeschäftigungen nach, kann zur Bestimmung der Haupttätigkeit neben der Höhe der jeweiligen Einnahmen auch der auf die einzelnen Tätigkeiten entfallende Zeitaufwand herangezogen werden. Wichtig auch: Selbst mehrere Arbeitszimmer zählen bei identischer Nutzung - beispielsweise als Büroräume - als ein Objekt. Es macht nach der Entscheidung vom 16. Dezember 2004 keinen Unterschied, ob aufgrund der räumlichen Situation statt eines großen Raums mehrere kleine Zimmer genutzt werden.

Quelle: Creditreform, 12/2006.

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