Millionengeschäfte: Hoeneß, der Zocker

Millionengeschäfte
Hoeneß, der Zocker

Das Gericht hat Uli Hoeneß verurteilt. Doch auch nach Ende des Prozesses bleiben Fragen offen. Wie konnte der Bayern-Boss so viel spekulieren, mit so gigantischen Summen? Selbst Profi-Trader finden das unglaublich.
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DüsseldorfDas Landgericht München II hat sein Urteil über Uli Hoeneß gefällt: Der Bayern-Boss wurde am Donnerstag zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht stufte seine Selbstanzeige als ungültig ein und befand ihn der Steuerhinterziehung für schuldig. Mit seinem Urteil blieben die Richter zwei Jahre unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Doch mit dem Ende des Prozesses ist der Fall Hoeneß noch nicht abgeschlossen. Wichtige Fragen bleiben offen: Wie kann jemand, der eigentlich andere Dinge zu tun hat, so viel spekulieren? Wie kommt Hoeneß überhaupt zu so viel Geld?

Vor Gericht gab Hoeneß den reumütigen Sünder. Ja, er sei ein Zocker gewesen; einer, der den Überblick verloren habe. Und er gestand, dass ihm die Börsengeschäfte zeitweise so viel Geld brachten, dass sich daraus eine Steuerschuld von 27,2 Millionen Euro ergibt. „Es waren Summen, die für mich heute schwer zu begreifen sind“, so Hoeneß.

Die Erkenntnis kommt spät: Im Oktober 2011 gab Hoeneß dem Handelsblatt ein Interview. Die erste Frage lautete: „Herr Hoeneß, sind Sie ein Zocker?“ – „Nein, das bin ich nicht.“ Er sei nie ein Daytrader gewesen, schob er hinterher. „Kurz rein und schnell wieder raus – das entspricht nicht meiner Überzeugung.“ Dass der Bayern-Boss seit Jahren mit gigantischen Beträgen an der Börse spekulierte, dass er die Gewinne daraus nicht versteuerte, ahnte damals niemand.

Auf den Konten in der Schweiz sollen sich zeitweise mehr als 150 Millionen Euro angesammelt haben, erklärte die Steuerfahnderin aus Rosenheim, die in dem Prozess als Zeugin aussagte. In den Jahren zwischen 2003 und 2009 soll Hoeneß rund 50.000 Transaktionen in Auftrag gegeben haben, die meisten wohl telefonisch im Gespräch einem Investmentbanker der Schweizer Bank Vontobel. Das sind im Schnitt 20 Transaktionen am Tag – und dabei ist nicht einmal berücksichtigt, dass die meisten Börsenplätze an Sonn- und Feiertagen geschlossen sind. An manchen Tagen soll Hoeneß sogar bis zu 300 Kauf- und Verkaufsaufträge erteilt haben.

Selbst Profis sind von dem Ausmaß der Geschäfte überrascht: „300 Orders am Tag?“, wundert sich ein Investmentbanker aus Frankfurt, der anonym bleiben will. „Das ist dann ein Fulltime-Job.“

„Ich finde das sehr ungewöhnlich“, sagt auch Markus Strauch, der als professioneller Trader für ICM Liechtenstein und Wikifolio handelt. „Ich mache zehn bis 15 Trades am Tag – und dann nichts anderes.“ Dabei müsse er ständig den Markt im Auge behalten, schnell reagieren, Limits setzten, kaufen und verkaufen. „Für mich wäre es unmöglich, das über das Telefon zu erledigen“, sagt Strauch.

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  • Der Verlauf des Prozesses und die bekannt gewordenen Zahlen lassen immerhin mehrere Schlüsse zu:

    1- 50'000 trades in 7 Jahren macht durchschnittlich 40 trades per Börsentag. Die abzuschließen, während 24 Stunden zu verfolgen (der Devisenhandel läuft rund um die Uhr und die größten Bewegungen entstehen erfahrungsgemäß, wenn der Handel auf den nächsten Kontinent wechselt) und wieder zu schließen und zu verbuchen, das ist ein volles Arbeitsprogramm für mindestens 3 Profis, back office nicht mitgezählt.

    2- Herr Hoeneß allein am Handy - unmöglich! Das war schlicht Sucht. Daraus ist zu schließen, daß Herrn H. überhaupt die Gewinnerzielungsabsicht fehlte, denn da zielgerichtete Absicht zur Vermögensmehrung anzunehmen, ist schlicht Unfug. Es war ein -zugegeben- krankhaftes Hobby.

    3- Da das FA seine Verluste nicht anerkannt hat, wurde er für den Umsatz, aber nicht für irgendeinen Gewinn bestraft. Es ist zudem gar nicht sicher, ob er per Saldo einen steuerlich relevanten Gewinn erzielt hat, da alle im Prozess genannten Zahlen pure und einseitige Schätzungen sind. Herr H. war -siehe 1 oben- selbst ohne jeden Überblick und hat deshalb alles abgenickt.

    3- Seine Verteidiger haben das nicht überrissen und insgesamt einen dürftigen Eindruck hinterlassen. Ebenso war der Richter überfordert, und Herr H. daher schutzlos den Maximalannahmen des FA und der Gehässigkeit des Staatsanwalts sowie der öffentlichen Meinung ausgeliefert.

    4- All dies wären solide Gründe für eine erfolgreiche Revision gewesen. Zu spät!

    5- Herr H. hat nichts verloren in einem Gefängnis, er gehört in eine psychatrische Klinik zum Entzug.

  • 300 Trades pro Tag und das Telefonisch?

    Die ganze Geschichte stinkt doch zum Himmel.

    Vielleicht war es ja Bayern München Geld und er spielt nur den Sündenbock...

  • Vom Tegernsee in den Knast. RTL ist live dabei. Hoeneß beim Freigang im Rund, Hoeneß beim Gespräch mit Mutti, Hoeneß moralisierend mit den Kinderschändern...da tun sich auch fürs Fernsehen ganz neue Welten auf.
    Verdient hat es sich der Verbrecher Hoeneß.

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