Mit Insiderwissen Kontrollmechanismen umgangen
Bankmitarbeiter wegen Millionenbetrug zu Haft verurteilt

Wegen Kreditbetrugs mit einem Volumen von 5,6 Mill. Euro hat das Landgericht Koblenz einen ehemaligen Mitarbeiter der Sparkasse Worms am Donnerstag zu fünf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Der 33-Jährige aus dem hessischen Bürstadt hatte zuvor gestanden, sich zwei Kredite mit Hilfe eines gefälschten Wertpapierdepots erschlichen zu haben.

dpa KOBLENZ. Beim Strafmaß schloss sich das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft an. Die Verteidigung hatte kein konkretes Strafmaß beantragt. Das Gericht sah eine gewisse Mitschuld bei den Banken, denen einige Ungereimtheiten hätten auffallen müssen.

Nach Angaben des Betriebswirts und Firmenkundenbetreuers waren es vor allem missglückte, private Spekulationsgeschäfte, die ihn zu den Taten veranlassten. Er war in einem "privaten Investmentclub" federführend für Anlagegeschäfte zuständig. Als die Anleger versprochene Gewinne einforderten, geriet der 33-Jährige in Zugzwang. Deshalb habe er Mitte Juli 2007 zunächst bei der Sparkasse Worms- Alzey-Ried ein Darlehen über eine Million Euro und kurz darauf bei der Landesbank Rheinland-Pfalz eines über 4,6 Mill. Euro aufgenommen.

Als Sicherheit legte der Mann jeweils gefälschte Unterlagen über ein angebliches Wertpapierdepot in Höhe von 4,8 Mill. Euro bei einer anderen Bank vor. Aus den Darlehen zahlte er insgesamt 2,8 Mill. an seine Anleger zurück. Daneben steckte er das Geld in weitere, private Unternehmungen: etwa eine Million Euro in ein Einkaufscenter in Bürstadt und insgesamt rund 850 000 Euro in Energiepark-Projekte und eine Biogasanlage.

"Er kam früh in eine gehobenen Position, hatte alle Chancen. Aber auf Täuschung lässt sich keine Zukunft bauen", sagte Staatsanwalt Rolf Kranz. Er sprach von einem großen Vertrauensmissbrauch. Der Angeklagte habe als Mitarbeiter einer der geschädigten Banken mit Insiderwissen Kontrollmechanismen umgangen. Auch sei große Raffinesse im Spiel gewesen: Mit einer gefälschten E-Mail-Adresse und einem eigens montierten Briefkasten fing der Mann Anfragen der Kreditgeber an die Depot-Bank ab. Zudem hatte er für die Gewährung der Darlehen Unterlagen einer nicht existierenden Solarstromanlage vorgelegt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%