Nach Kritik
Börsensteuer wird eingedampft

Die Kritik der Banken zeigt Wirkung: Die Finanzmarktsteuer wird nach Angaben von Insidern voraussichtlich nur als Light-Version kommen. Auch mit dem ursprünglich geplanten Starttermin ist nicht mehr zu rechnen.
  • 11

BrüsselDie geplante Finanzmarktsteuer wird angesichts massiver Kritik von Banken und wachsender Bedenken in den beteiligten Euro-Staaten voraussichtlich stark eingedampft. Bei den Verhandlungen in Brüssel werden derzeit Änderungen am Gesetzentwurf der EU-Kommission diskutiert, die den Finanzinstituten entgegenkämen, wie mehrere mit den Beratungen Vertraute der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag sagten. Kehrseite sind weitaus geringere Steuereinnahmen als ursprünglich angenommen für Deutschland und die zehn anderen Staaten. Der deutsche Fiskus könnte demnach höchstens noch eine statt zehn Milliarden Euro kassieren. „Die ganze Sache wird sich ziemlich ändern müssen, die Steuer wird in der jetzigen Form nicht überleben“, sagte einer der Insider.

Die deutschen Banken machen Front gegen die Steuer, weil sie Milliardenlasten befürchten. Ziel der Steuer ist es aber gerade, die Banken an den massiven Kosten der Finanzkrise zu beteiligen, die sie mit verursacht haben. Die Lobby-Arbeit der Geldhäuser zeigt Wirkung: In der zurzeit nur auf Experten-Ebene laufenden Diskussion der EU-Staaten werde überlegt, bestimmte Produkte von der Steuer ganz auszunehmen oder diese mit Übergangsfristen einzuführen. „Man kann ja sagen, wir führen das stufenweise ein mit dem niedrigeren Steuersatz und erhöhen ihn dann, oder wir fangen mit einigen Produkten an“, erklärte ein Insider.

Die Steuer, maßgeblich von Deutschland, Frankreich und Österreich vorangetrieben, sollte eigentlich Anfang 2014 eingeführt werden. Auf Aktien, Anleihen, Fondsanteile oder Geldmarktgeschäfte unter den Banken sollen 0,1 Prozent des Handelsvolumens eingezogen werden, für Derivate würde der Steuersatz 0,01 Prozent des zu Grunde liegenden Wertes betragen. Im besten Fall sei ein Einführungstermin nun Mitte 2014 noch zu erreichen, sagte der Insider.

Die zwischen Banken gehandelten Wertpapierpensionsgeschäfte (Repos) könnten ganz ausgenommen werden, hieß es jetzt. Vor allem die deutschen Landesbanken und Sparkassen hatten Alarm geschlagen wegen der Besteuerung von Repo-Geschäften, mit denen sich Banken untereinander kurzfristig finanzieren. Nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg könnten allein für das Repo-Geschäft ihres Hauses bis zu drei Milliarden Euro Steuern pro Jahr fällig werden. Im Kontrast dazu steht die Kalkulation der EU-Kommission, die für alle elf Staaten "nur" mit 30 bis 35 Milliarden Steuereinnahmen quer über alle Institute und Produkte rechnet, wobei auf Deutschland mit zehn Milliarden Euro der größte Batzen entfiele.

Seite 1:

Börsensteuer wird eingedampft

Seite 2:

Mitgliedstaaten diskutieren Ausnahmeregeln

Kommentare zu " Nach Kritik: Börsensteuer wird eingedampft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ein wahnsinnig dilettantisch geschriebener Artikel, und sowas nennt sich Wirtschaftsjournalist! Kein Anzeichen von Berufsethos oder Fachwissen! Die zwei grössten Idiotien hier anhand zweier Zitate:

    Zitat 1:
    "Die Börsensteuer sollte wie eine Mehrwertsteuer auf den Handel mit Bank- und Börsenprodukten funktionieren."
    Aufklärung:
    Eben nicht, denn die Mehrwertsteuer wird vom Produzenten zum Verbraucher hin durchgereicht. Bei der Finanztransaktionssteuer ist geplant, JEDE einzelne Transaktion zu besteuern, nicht nur die des "Endverbrauchers", und zwar zusätzlich noch auf beiden Seiten des Geschäfts - also sowie beim Käufer als auch beim Verkäufer. Ein Vergleich zur Mehrwertsteuer ist hier komplett fehl am Platz.

    Zitat 2:
    "Wird die Steuer zu sehr eingedampft, hätte sie allerdings nur noch symbolische Bedeutung. Denn bei einem Einstieg mit dem niedrigen Steuersatz von 0,01 Prozent wäre nur noch mit drei bis vier Milliarden Euro Einnahmen zu rechnen - ..."
    Aufklärung:
    Der vermeintlich "niedrige" Steuersatz von 0,01 Prozent bezieht sich bei Derivaten auf deren NENNWERT und ist somit überhaupt nicht per se als niedrig zu bezeichen. Vor allen Dingen nicht aus dem naiven Grund, es handele sich gefühlt um eine "kleine Zahl". So überschreitet der Nennwert z.B. bei den am meist gehandelten Optionen bei Weitem den Transaktionswert und die wahre Besteuerung ist dadurch um ein Vielfaches höher.
    Als praktisches Beispiel:
    Beim Kauf von 1000 Euro Stoxx 3100 Calls (Optionen) zum Preis von 0.15 Euro pro Stück ergibt sich ein Transaktionswert von 1.500 Euro. Hier wären allerdings 3.100 Euro Steuern fällig - also mehr als das Doppelte bzw. 207% des Transaktionswertes (!) - und zwar sowie beim Käufer als auch beim Verkäufer der Option.

    Kann man solches Erstsemestlerwissen von einer etablierten Wirtschaftszeitung heutzutage noch erwarten? Anscheinend leider nicht. Man hat wohl wieder überall gespart, um das Unternehmen und den "shareholder value" zu "optimieren".

  • Wenn die Altersversorgung wie erforderlich, frei bleiben soll, macht diese Steuer keinen Sinn. Der Gang vor das Verfassungsgericht würde für Betroffene unverzichtbar, falls eine einseitige Besteuerung der Kapitalanlagen ohne entsprechend hohe Freibeträge erfolgen sollte.

    Im übrigen handelt es sich wie bei einer Vermögenssteuer um eine reine Neid- bzw. Andernsteuer weil sie alle Personen und Gruppen die eine andersartige und nicht allgemein übliche Altersversorge getroffen haben, unverhältnismäßig hoch belasten würde.

    Diese Andern haben denselben Anspruch auf ein steuerfrei bleibendes Grundeinkommen bzw. auf eine ebenso unangetastete Vermögensbasis wie unsere Herren Abgeordneten die absolut keine Vorsorge treffen müssen weil der Rubel bereits nach einer kurzen Amtszeit rollt.

    Bei 1% Zinsen wären für die Gehälter und Pensionsansprüche
    von Politikern und Beamten mehrere Millionen pro Kopf als Basis erforderlich. Diese rechnerische Grundlage dürfte nach dem Gleichheitsgrundsatz und der Einführung von Kapital verzehrenden Steuern nicht unbelastet bleiben. Die monatlichen Bezüge würden sich unter der Anwendung rechtsstaatlicher Kriterien in der Folge auch verringern.

  • Danke Handelsblatt: Wieso ist der Bericht zur Kritik an der AfD nicht zu kommentieren?

    Und wo sind die Berichte vom frühen Vormittag zu Praktiker und Max Bahr geblieben? Hat Mutti ein Veto eingelegt?

    Bislang war dieses Forum deutlich liberaler!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%