Nach Razzien in Deutschland
Credit Suisse schickt Kunden zum Steuerberater

Nach dem Kauf einer neuen Steuerdaten-CD haben Fahnder deutschlandweit hunderte Wohnungen durchsucht. Betroffen sind auch Kunden der Credit Suisse. Das Schweizer Institut hilft nun den Betroffenen – mit einer Liste.
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DüsseldorfDeutsche Steuersünder, die ihr Geld illegal in die Schweiz geschafft, sich aber bislang nicht beim Fiskus gemeldet haben, dürften in dieser Woche ordentlich ins Schwitzen gekommen sein. Nach dem Kauf einer neuen Daten-CD durch das Land Rheinland-Pfalz haben Fahnder bundesweit hunderte Wohnungen durchsucht, weitere Razzien sollen folgen.

Die Beamten werden noch eine Weile beschäftigt sein: Für 4,4 Millionen Euro – der Anbieter blieb unbekannt – erhielten die Behörden etwa 40.000 Datensätze. Der Finanzminister des Landes, Carsten Kühl (SPD), sprach vom bisher „werthaltigsten“ Material dieser Art. Einbringen sollen dies bis zu einer halben Milliarde Euro.

Dazu gehören Kunden der Credit Suisse. Die Staatsanwaltschaft Koblenz leitete Ermittlungen gegen Mitarbeiter des Schweizer Instituts ein – wegen des Verdachts der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Bank selbst weist diesen Vorwurf indirekt zurück. Ein Sprecher sagte: „Wir weisen deutsche Kunden seit längerer Zeit darauf hin, dass sie ihre Situation individuell überprüfen und falls nötig bereinigen sollen. Wenn das nicht passiert, werden wir uns von diesen Kunden im Verlaufe des Jahres trennen.“

Dennoch hilft das Institut möglichen Betroffenen – nicht mit Tat, aber mit Rat. Wie das Fachmagazin „Juve“ berichtet, hat die Credit Suisse ihren Kunden eine Liste mit Kanzleien – inklusive Kontaktpersonen – zukommen lassen, die sie für die Aufarbeitung und mögliche Selbstanzeigen empfiehlt.

Vertreten sind illustre Namen wie Flick Gocke Schaumburg, Streck Mack Schwedhelm und SZA Schilling Zutt & Anschütz – ein „Who is Who“ der deutschen Steuerstrafrechtsszene. Allerdings finden sich dort auch Großkanzleien wie Ernst & Young oder Beiten Burkhardt nebst einzelnen Anwälten – allesamt wurden sie als geeignete Berater identifiziert. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wirkt diese Aktion zumindest unglücklich.

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Was die Selbstanzeige bringt

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  • Der Ankauf von Steuer-CDs ist keine Hehlerei. Nochmal: Daten sind keine Ware im Sinne des Gesetzes. Siehe auch Artikel im Handelsblatt (Bürger zeigen erfolglos NRW-Finanzminister an). Es hilft kein Jammern und kein Zähneklappern. Nur noch die demütigende Selbstanzeige.

  • Schlecht recherchiert. Das Handelsblatt ist nicht einmal in der Lage, die verlinkte Liste korrekt und vollständig wiederzugeben: So fehlt SJ Berwin und es erscheinen zusätzliche Kontaktpersonen, die in der Liste der Credit Suisse überhaupt nicht genannt sind.

  • @Pseudonym Gandhi
    Ach wissen Sie, in D ist Steuerhinterziehung bei der Steuerbelastung Notwehr. Bedauerlich auch das D statt sich den Steuerwettbewerb zu stellen und am Staat(Bürokratie nebst Bürokraten) zu sparen den deutschen Rechtsstaat beugt und ausländisches Recht bricht indem es gestohlene vertrauliche ausländische Bankdaten aufkauft. Der Hehler ist nicht besser als der Stehler.

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