Nachfolge-Report
Steuer bedroht Wechsel in vielen Firmen

Finanzierungsprobleme und Risiken bei der Erbschaftsteuer sind zentrale Hürden für einen erfolgreichen Generationswechsel in mittelständischen Unternehmen: Mehr als die Hälfte der potenziellen Nachfolger tun sich mit der Finanzierung schwer, knapp ein Viertel sehen die Erbschaftsteuer als Hindernis. Hier herrscht dringend politischer Handlungsbedarf.

BERLIN. Immerhin 22 Prozent der potenziellen Nachfolger sehen zudem die absehbare Belastung durch die Erbschaftsteuer als Hindernis, um ein Unternehmen innerhalb der Familie weiterzuführen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neuer Nachfolge-Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), der dem Handelsblatt vorliegt. Basis dafür sind Auswertungen von mehr als 10 000 Beratungsgesprächen der Kammern im vergangenen Jahr.

Der DIHK sieht darin vor allem einen weiteren Beleg dafür, wie wichtig das Thema bei der anstehenden Reform der Erbschaftsteuer zu nehmen sei. Dies zeige sich auch daran, dass neben den potenziellen Nachfolgern zugleich auch jeder fünfte Firmeninhaber selbst beim möglichen Generationswechsel Probleme mit der Erbschaftsteuer befürchte. "Der Prozess der Unternehmensübertragung an die Kinder wird deshalb kritisch überdacht", so der Report.

Allein die Unsicherheit über das weitere Schicksal des Unternehmens gefährdet oder verzögert demnach in der Praxis oft wirtschaftlich sinnvolle Nachfolgeregelungen. Das Problem besteht darin, dass die Kinder mangels ausreichender liquider Mittel das Unternehmen im Erbfall womöglich verkaufen oder schließen müssen, um die Steuer zu bezahlen. "Dies macht den erheblichen politischen Handlungsbedarf bei der Erbschaftsteuer mit Blick auf die Generationenfolge deutlich", betont der Verband. "Am besten", so der DIHK, wäre unter diesem Aspekt gleich "eine Abschaffung der Erbschaftsteuer."

Andere Probleme bei der Unternehmensnachfolge sind dabei schwerer durch Gesetzgebung zu lösen: So stehen den Schwierigkeiten externer Nachfolgekandidaten, eine Übernahme zu finanzieren, offenbar häufig auch noch überhöhte Kaufpreisforderungen der Senior-Unternehmer gegenüber. Letzteres erweist sich nach den Erfahrungen der IHK-Berater in immerhin 39 Prozent der Fälle als ein Hindernis.

Als weiteres wichtiges Hemmnis identifiziert der Report falsche Vorstellungen über die Dimension der Aufgaben, die mit einem Generationswechsel im Unternehmen verbunden sind. So unterschätzt laut DIHK jeder zweite Senior-Unternehmer schlicht den zeitlichen Aufwand einer Firmenübertragung. Zugleich schätzen 38 Prozent der jungen Gründer-Kandidaten die Anforderungen einer Übernahme falsch ein. Dreh- und Angelpunkt für eine erfolgreiche Nachfolgeregelung sei daher die frühzeitige Planung, so der Report. Allerdings haben 36 Prozent der Senior-Unternehmer Probleme mit dem "Loslassen".

Dietrich Creutzburg
Dietrich Creutzburg
Handelsblatt / Korrespondent
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