Neue Bilanzregeln
Begriffswirrwarr und Bilanzpolitik

Zwar bilanziert inzwischen die überwiegende Zahl der börsennotierten Unternehmen nach dem internationalen Standard IFRS. Bilanzpolitische Tricks und ein babylonisches Sprachgewirr schränken die Aussagekraft der Jahresabschlüsse jedoch nach wie vor ein.

Beliebigkeit

Viele Konzerne nehmen sich aus dem Werkzeugkasten der Bilanzpolitik das, was ihnen am besten passt. Wer zum Beispiel ein anderes Unternehmen teuer eingekauft hat, muss die Differenz zwischen Kaufpreis und Buchwert als "Goodwill" bilanzieren und regelmäßig durch "Impairmenttests" prüfen, ob der Wertansatz noch angemessen ist. Viele entscheiden sich - mit dem Einverständnis des Wirtschaftsprüfers - mutig für die höheren Wertansätze. Oder sie stellen Ertrags-Kennzahlen in den Vordergrund, bei der Goodwill-Abschreibungen "herausgefiltert wird", zum Beispiel das Ebitda: Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

Schönfärberei

Bilanzpolitische Maßnahmen können sogar rote Zahlen wieder schwarz werden lassen. So haben bei Karstadt nach Ansicht von Experten Erträge in dreistelliger Millionenhöhe aus Immobilienverkäufen den Absturz des operativen Ergebnisses in die Verlustzone verhindert. Die Erträge werden unter "sonstige betriebliche Erträge" aufgeführt, obwohl sie mit dem Betrieb wenig zu tun haben. Der Essener Handelskonzern bestreitet diesen Vorwurf allerdings.

Durcheinander

Insgesamt gibt es eine Vielzahl von Gewinnbegriffen. Der Jahresüberschuss ist der Gewinn nach Steuern, wie er im Jahresabschluss ausgewiesen wird. Das DVFA-Ergebnis wird mit Blick auf die Analysten errechnet, dabei sollen außerordentliche Ereignisse herausgefiltert werden. Beliebt ist auch der Cash-Flow, der reine Finanzüberschuss, für den es aber verschiedene Definitionen gibt. Beliebt ist auch das Ebit, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Jeder Konzern stellt andere Kennziffern in den Vordergrund. Bei VW etwa werden das DVFA-Ergebnis und der Cash-Flow genannt. Auf Ebit-Nennungen verzichten die Wolfsburger. BMW veröffentlicht hingegen keine DVFA-Zahlen.

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