Neue Regelung soll ab Januar 2005 gelten
Fonds: Zwischengewinn wird wieder besteuert

Anleger, die in Investmentfonds investiert haben, müssen für das kommende Jahr mit einer Steueränderung rechnen. Die Bundesregierung will zum 1. Januar 2005 wieder Steuern auf Zwischengewinne bei Anleihe- und Geldmarktfonds einführen.

Dies geht aus einem Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums hervor. Privatanleger, die ihren Sparerfreibetrag von derzeit nur noch 1 370 Euro ausschöpfen, sollten die mögliche Änderung bei ihrer Planung berücksichtigen.

Die Zwischengewinnregelung, die mit der Stückzinsregelung bei festverzinslichen Wertpapieren vergleichbar ist, war bei der Einführung des Investmentsteuergesetzes zum 1. Januar 2004 abgeschafft worden. Die Folge: Seitdem müssen beim Kauf und Verkauf von Fondsanteilen die zeitanteiligen Zinseinkünfte des Fonds bis zum Kauf- undVerkaufszeitpunkt nicht mehr separat ausgewiesen werden.

Die Abschaffung der Zwischengewinnbesteuerung bedeutete für die Fondsgesellschaften eine erhebliche Vereinfachung. Die aufwendigen täglichen Berechnungen waren nicht mehr nötig. Auch die Kosten für die tägliche Veröffentlichung des Zwischengewinns konnten sie einsparen. Für den Privatanleger entfiel durch die Streichung der Zwischengewinnbesteuerung die komplizierte Aufteilung in einen wie Zinsen zu besteuernden Betrag und einen privaten Veräußerungsgewinn. Den Kauf oder Verkauf von Fondsanteilen mussten sie seitdem nur bei privaten Veräußerungsgewinnen - also bei so genannten Spekulationsgeschäften - berücksichtigen. Der Verkauf eines Fondsanteils nach Ablauf einer Haltedauer von einem Jahr hatte keine Steuerfolgen.

Ein Jahr nach der Streichung der Zwischengewinnbesteuerung soll sie zum 1. Januar 2005 wieder eingeführt werden. Dies verwundert - denn beim derzeitigen historisch niedrigen Zinsniveau ist der Zwischengewinn im Verhältnis zum Anteilspreis gering. Außerdem unterscheidet sich die jetzige Situation nicht von der Lage vor einem Jahr.

Anleger die ihren Sparerfreibetrag ausschöpfen, sollten die Wiedereinführung des Zwischengewinns bei ihrer Steuerplanung berücksichtigen. Das betrifft allerdings nur Fonds,bei denen nennenswerte Zwischengewinne zu erwarten sind. Dazu zählen Renten- und Geldmarktfonds. Dabei sind drei Fallgruppen zu unterscheiden. Kauft der Anleger die Fondsanteile noch in diesem Jahr, wird ihm beim Kauf kein "gezahlter Zwischengewinn" bescheinigt, obwohl er die anteiligen Zinserträge des laufenden Jahres im Anteilspreis mitbezahlt. Erhält er dann jedoch eine Ausschüttung oder verkauft er den Anteil ab 2005 - dann mit "erhaltenem Zwischengewinn" - so versteuert er letztlich einen Betrag, den er beim Kauf des Fonds mitbezahlt hat. Anleger, die noch in diesem Jahr Fondsanteile kaufen wollen, sollten diesen Schritt noch einmal überdenken.

Ausgenommen von dieser Grundregel sind Käufe thesaurierender Fonds kurz nach Beginn des neuen Fondsgeschäftsjahres. Dann wird der Zwischengewinn auf null zurückgesetzt.

Will der Anleger Fondsanteile verkaufen, sollte er den Verkauf bis zum 31. Dezember dieses Jahres abschließen - sofern die Spekulationsfrist für die Fondsanteile schon abgelaufen ist. Aber auch wenn die Spekulationsfrist noch nicht abgelaufen ist, kann ein Verkauf sinnvoll sein, wenn der Anleger Spekulationsverluste geltend machen kann oder die Freigrenze von 512 Euro - 1 024 Euro bei gemeinsamer Veranlagung - nicht erreicht wird. Sofern der Fonds noch in diesem Jahr ausschüttet oder, bei thesaurierenden Fonds, das Geschäftsjahr des Fonds noch in 2004 endet, sollten Anleger ebenfalls über einen rechtzeitigen Verkauf in diesem Jahr nachdenken.

Auch Anleger, die weder Fondsanteile kaufen noch verkaufen wollen, sollten ihre Depots überprüfen. Falls sie Fondsanteile halten, die künftig erhebliche Zwischengewinne erwarten lassen, ist eine Umschichtung sinnvoll. Zuvor sollten die Anleger abwägen, ob die Kosten der Umschichtung - etwa durch Ausgabeaufschläge - die erwartete Steuerersparnis nicht übersteigen.

Bernd Schmitt ist Steuerberater und Partner im Bereich Global Financial Services bei Ernst & Young in Frankfurt.

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