Neue Steuervorschriften
Geschenke vom Fiskus für Allianz und Münchener Rück

Die beiden Versicherer Allianz und Münchener Rück können sich zum Jahresende auf ein sattes Steuergeschenk freuen.

HB MÜNCHEN. Durch die Änderung steuerlicher Vorschriften werde die Allianz im Jahresabschluss so genannte Körperschaftssteuerguthaben in Höhe von rund 500 Mill. Euro aktivieren, sagte eine Sprecherin des Konzerns am Mittwoch. Dies sei ein einmaliger Effekt, der keine Auswirkungen auf das operative Geschäft habe. Ähnlich sieht es bei der Münchener Rück, dem zweitgrößten Rückversicherer der Welt, aus: Der Konzern habe ein Guthaben von rund 0,5 Mrd. Euro und werde eine Forderung von 0,4 Mrd. geltend machen, sagte ein Sprecher. Die Hälfte davon entfalle auf die Erstversicherungstochter Ergo.

Die bisherigen Prognosen für das Gesamtjahr bestätigten beide Firmen. Die Allianz strebt einen Rekordgewinn von netto mehr als sechs Mrd. Euro an - die Steuergutschrift käme noch oben drauf. Die Münchener Rück will 2006 unter dem Strich 3,2 bis 3,4 Mrd. Euro verdienen. Beide Prognosen waren aus Sicht von Analysten sowieso bereits vorsichtige Schätzungen, die nun deutlich übertroffen werden dürften.

Neben den Versicherern werden andere deutsche Konzerne von der jüngsten Gesetzesänderung profitieren. Der Energieriese RWE und Heidelberger Druckmaschinen haben dies bereits getan. Bei den daraus resultierenden Gewinnzuwächsen handelt es sich allerdings nur um reine Bilanzierungseffekte.

Neue Steuervorschriften

Bis Anfang des Jahrzehnts wurden einbehaltene Gewinne von Kapitalgesellschaften höher besteuert als ausgeschüttete. Für die Unternehmen bedeutete dies, dass sie automatisch Körperschaftssteuerguthaben bildeten, solange sie keine Dividende zahlten. Kam es dann zu einer Ausschüttung, konnte das Guthaben realisiert und steuermindernd eingesetzt werden. Unternehmen, die trotz hoher Gewinne auf eine Dividende verzichteten, häuften so mitunter hohe Forderungen gegenüber dem Fiskus an. Experten beziffern die Guthaben insgesamt auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.

Mit der rot-grünen Unternehmenssteuerreform kam es zu einem Systemwechsel, die Bildung neuer Körperschaftssteuerguthaben wurde hinfällig. Dennoch wurde der Wirtschaft zunächst erlaubt, die noch bestehenden Ansprüche geltend zu machen. Voraussetzung dafür war weiter die Ausschüttung von Gewinnen. Später dann wurde mit der Senkung des Körperschaftssteuersatzes die Realisierung der Steuerguthaben jedoch vorübergehend ausgesetzt. Ziel war es, die Staatskasse nicht zusätzlich zu belasten.

Seit dem 12. Dezember 2006 gibt es nun eine neue Regelung. Im Kern schreibt sie vor, dass der Staat sukzessive die auf Eis gelegten Körperschaftssteuerguthaben auszahlt. Die wesentliche Neuerung ist aber, dass die Notwendigkeit einer Ausschüttung entfällt. Damit können die Konzerne auf einen Schlag ihre Ansprüche an den Fiskus beziffern. Sie müssen diese bis zum Jahresende abgezinst in der Bilanz ausweisen. Um die Belastung für den Finanzminister nicht zu groß werden zu lassen, hat die Politik allerdings einen Trick eingebaut: Die tatsächliche Auszahlung der Ansprüche startet erst 2008 und wird über zehn Jahre gestreckt.

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