Neuerungen bei Ein-Prozent-Regelung und Fahrtenbuch
Fiskus macht Druck bei Firmenwagen

Bei der privaten Nutzung eines Firmenwagens fährt stets auch das Finanzamt mit - und schmälert damit zunehmend die Freude am Fahren. War die Rechtslage bisher einigermaßen übersichtlich, müssen Fahrer von Geschäftswagen jetzt zahlreiche Änderungen im Blick haben, um sicher durch das Regelungsdickicht zu manövrieren.

KÖLN. Steuergesetzgeber und Finanzverwaltung haben die Vorschriften fleißig reformiert; auch die Anforderungen an ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch wurden von der Rechtsprechung zuletzt weiter verschärft.

Grundsätzlich führt die Privatfahrt mit der Dienstkarosse beim Arbeitnehmer zu einem geldwerten Vorteil und beim Unternehmer zu einer Entnahme. Beides bewertet der Fiskus pauschal nach der Listenpreismethode, auch bekannt als Ein-Prozent-Regelung. Die private Nutzung ist danach für jeden Monat mit einem Prozent des inländischen Listenpreises zuzüglich Sonderausstattungen inklusive Umsatzsteuer anzusetzen. Wer meint, bei genauer Berechnung des Privatgebrauchs günstiger zu fahren, kann der pauschalen Ein-Prozent-Regelung durch die so genannte "Escape-Klausel" entkommen - allerdings nicht, ohne private und betriebliche Nutzung penibel in einem Fahrtenbuch zu dokumentieren.

Neuen Drive bei der Besteuerung von Firmenwagen brachte nun das Gesetz zur Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen, das rückwirkend seit Anfang des Jahres gilt. Danach greift die Ein-Prozent-Regel nur noch, wenn das Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird - zuvor reichten zehn Prozent.

Wie die überwiegende betriebliche Nutzung nachzuweisen ist, regelt seit Juli dieses Jahres ein neues Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF). Einfacher wird das Verfahren dadurch allerdings nicht: "Die Neuregelung belastet selbstständige Unternehmer und Freiberufler", weiß Roland Speidel, Steuerberater bei der BDO Deutsche Warentreuhand in Hamburg. Anders als Arbeitnehmer mit Firmenwagen, die von der Neuregelung nicht betroffen sind, müssen sie die betriebliche Nutzung jetzt gemäß den Vorgaben des BMF-Schreibens belegen. "Das sieht zwar nicht zwingend die Führung eines Fahrtenbuchs vor, enthält aber nicht minder lästige Aufzeichnungspflichten", so Steuerfachmann Speidel. Beispielhaft nennt das Schreiben Eintragungen im Terminkalender, Reisekostenaufstellungen oder andere Abrechnungsunterlagen.

Wem das auf Dauer zu umständlich ist, dem bleibt folgende Alternative: Zeichnet der Steuerpflichtige über einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten alle Geschäftsfahrten mit Hinweis auf Anlass der Fahrt und zurückgelegte Strecke auf, unterstellt das Finanzamt die dort ermittelte Nutzung für die übrige Zeit des Jahres. Roland Speidel empfiehlt daher, noch für dieses Jahr aussagekräftige Aufzeichnungen über die betriebliche Nutzung des Dienstwagens anzufertigen. "Das hilft bei späteren Nachprüfungen, den Privatanteil nach der Listenpreismethode ermitteln zu dürfen."

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