Online-Steuererklärung bereitet noch Probleme
Wahnsinn Steuererklärung

Zwei Dutzend Anlagen, 23 Gesetzesänderungen in zwei Jahren, 1 300 ungeklärte Verfahren: Ohne Berater haben Sie im Duell mit dem Fiskus keine Chance. Ein Lehrbeispiel.

DÜSSELDORF. Der Brief des Finanzamts hatte es in sich. 14 589,11 Euro sollte Klaus Bogner* an Steuern nachzahlen, und das, bitte schön, binnen vier Wochen. "Ich dachte, oh Gott, dann bist du jetzt fast pleite."

Was war geschehen? Bogner, 38, ein schlanker, mittelgroßer Mann mit vollem schwarzem Haar und unauffälliger Brille, hatte im Februar 2005 noch keine Steuererklärung für 2003 abgegeben. Der fest angestellte Diplom-Ingenieur einer Ford-Tochter, der sich nebenher als freischaffender Softwareberater verdingt, hatte es gehalten wie unzählige andere Deutsche auch. Erst wird das Unvermeidliche monatelang vor sich hergeschoben. Und dann, wenn die zweite Aufforderung im Briefkasten liegt, in aller Eile nach Feierabend oder am Wochenende durchgezogen. Doch seine Finanzbeamtin gewährte ihm keine zweite Chance. Als er auf die erste Mahnung nicht reagierte, schickte sie ihm kurzerhand einen Schätzungsbescheid. Darin rechnete sie den Gewinn seiner selbstständigen Arbeit aus dem Jahr 2002 um den Faktor vier hoch, stufte ihn nun als umsatzsteuerpflichtig ein und legte all das auch gleich für 2004 zu Grunde. "In diesem Moment war mir klar, dass es ohne Berater nicht mehr geht", bekennt Bogner.

Und so sitzt er an diesem trüben Märztag nun erstmals im Büro eines Steuerberaters. Der heißt Michael Seifert, schreibt Ratgeber-Broschüren für den DIHK und bildet als Referent den eigenen Berufsstand aus. Gegen den 2003er-Schätzungsbescheid hat er Einspruch eingelegt. Und für 2004 will Bogner wissen: Was holt der Profi, den sich viele nicht leisten wollen oder können, noch alles raus?

Beim Ausfüllen der Formulare lassen sich beide über die Schultern blicken. Herausgekommen ist so ein mehrstündiges Fallbeispiel, das zeigt: Wer sich allein vorwagt, ist verloren. Selbst Steuerzahler mit akademischer Ausbildung und relativ harmlos klingenden Vorgängen haben ohne Hilfe keine Chance. Und verschenken oft viel Geld.

Ein Wahnsinn, der in diesen Tagen, wenn die Lohnsteuerbescheinigungen zurückkommen, Millionen Bundesbürgern droht. Ein Wahnsinn, weshalb Angela Merkel noch vor dem Jobgipfel beim Bundeskanzler auf eine "radikale Vereinfachung des Steuerrechts" drängte. Weshalb Bundespräsident Horst Köhler in seiner jüngsten Grundsatzrede aus einer Studie des World Economic Forums zitierte, wonach das deutsche Steuerrecht in Sachen Effizienz bei 104 untersuchten Ländern Platz 104 belegt.

* Name von der Redaktion geändert.

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