Panama Papers Das sind die guten Gründe für Briefkastenfirmen

In der Berichterstattung über Briefkastenfirmen schwingt ein Vorwurf mit: Wer ein solches Unternehmen registriert, führe Unlauteres im Schilde. Das mag zwar in vielen Fällen so sein, doch gilt es bei weitem nicht immer.
28 Kommentare
Eine beliebte Steueroase ist das mittelamerikanische Land, hier haben viele Briefkastenfirmen ihren Sitz. Quelle: dpa
Flagge Panamas

Eine beliebte Steueroase ist das mittelamerikanische Land, hier haben viele Briefkastenfirmen ihren Sitz.

(Foto: dpa)

ZürichDie Dokumente über mehr als 200.000 Briefkastenfirmen, die von der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in den vergangenen Jahrzehnten ins Leben gerufen worden sein sollen, bestimmen die Schlagzeilen. Politiker übertreffen sich mit Forderungen, wie solche Geschäftsmodelle zerschlagen werden könnten.

Doch selbst der selten um Scharfzüngigkeit verlegene Finanzminister Nordrhein-Westfalens, Norbert Walter-Borjans, sagte am Dienstagmorgen dem Hörfunksender WDR5, dass zwar bei Briefkastenfirmen unlautere Gründe eine Rolle spielen können. Dass aber in allen Fällen illegitime Gründe zu Grund lägen, könne „man nicht sagen und das sagt ja auch keiner.“

Vor ziemlich genau drei Jahren machte das Journalisten-Netzwerk ICIJ schon einmal Schlagzeilen mit Daten über Offshore-Gesellschaften in Steueroasen. „Offshore-Leaks“ hieß das Projekt, damals waren dem Netzwerk Daten des Singapurer Dienstleisters Portcullis Trustnet zugespielt worden.

Im Zuge dessen wurde enthüllt, dass auch der 2011 verstorbene Industriellen-Erbe Gunter Sachs fünf Trusts in Steueroasen besaß. Die zuständigen Berner Steuerbehörden unternahmen daraufhin gar eine Sonderprüfung von Sachs Steuererklärungen. Das Ergebnis: alles sauber, die in den Trusts enthaltenen Vermögenswerte waren korrekt deklariert.

Auch Mossack Fonseca wehrt sich gegen pauschale Verdächtigungen, dass es Kunden – oder Kunden von Kunden – vor allem um Steuerbetrug ginge. „Diese Berichte stützen sich auf Vermutungen und Stereotypen“, teilte die Anwaltsfirma in einer vierseitigen Stellungnahme aktuellen Berichten des ICIJ und Dutzenden internationalen Medien mit. Mossack Fonseca sei noch nie im Zusammenhang mit kriminellen Handlungen beschuldigt oder angeklagt worden und werde in ein falsches Licht gerückt.

Tatsächlich gibt es viele legale Gründe für Briefkastenfirmen und Offshore-Gesellschaften. Ein Überblick:

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Regelung eines weit verstreuten Erbes
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Panama Papers - Das sind die guten Gründe für Briefkastenfirmen

28 Kommentare zu "Panama Papers: Das sind die guten Gründe für Briefkastenfirmen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Seit Schröder mit seiner Agenda und der anschließenden. Merkelschen Politik wird nun alles versteuert, was zu versteuern ist. Selbst eine unrentabel gewordene Altersversorgung wird nun versteuert.

    Nun. Die Anleger werden sukzessive in Immobilien im Land hineinmanöveriert. Noch sind die Steuern dafür eigentlich gegenüber der IMU in Italien zu günstig. Das Darlehen kostet auch nix.

    Die allerwenigsten Häuslebesitzer werden etwas ändern können, wenn durch die verfehlte Politik noch mehr Geld gebraucht wird.

    Von wem soll es kommen. Die Briefkastenleute sind schon lange aus der Steuer und wohnen woanders.

    Europa und vornehmlich Deutschland wird die in Zukunft noch weniger jucken.

    Diese Prominenten aus Sport, Show und sonst. Gaukler standen und stehen uns nicht zur Verfügung.

    Erst recht nicht, bei einem Brexit oder Grexit und anderen die dann ausscheren wollen.

    Den Rest machen dann die Migranten u. Flüchtlinge die das Sozialsystem mehr belasten dürften und durch die Arbeitslosigkeit die Schlangen in den Jobcentern verlängern werden.

    Und das der IS unsere Polizeien mit ihren Kleinstfahrzeugen und ihrem Pfefferspray schnell überfordern wird, können sich nur wenige vorstellen.

    Die waren schon in der Silvesternacht überfordert, bei den Einbrüchen schon lange und immer mehr.

    Im Gegenteil. Sie suchen jetzt gesetzlichen Schutz wegen der ausufernden Gewalt durch Straftäter.

    Dass das Vertrauen in die Politik immer weniger bestehen wird, werden die kommenden Wahlen zeigen.

    Die Briefkastenleute vertrauen nur sich. Sie wissen wie man GELD verdient und ein Imperium aufbaut.

    In Deutschland wird einem auch in der Zukunft mehr genommen werden müssen als in der Vergangenheit.

    Die fatale Weichenstellungen der gegenwärtigen Politik, auch in Brüssel, veranlassen jeden Bürger eine Partei zu wählen, die eigenlich nicht sein sollte.

    Wie immer dauert es sehr, sehr lange bis man die Realität -wenn überhaupt- im Elfenbeinturm erfasst.

    Ich hoffe ich irre mich. Ein Brexit......

  • Brexit, Grexit und dann zahlen die Italiener nicht mehr ihre Schulden, weil sie nich wollen oder können.

    Und dann noch ein kleiner Wirtschaftseinbruch und dazu noch Millionen Migranten in den Warteschlangen in den Jobcentern, noch ein paar HartzIV-Empfänger sowie noch ein paar Millionen Flüchtlinge vor der Haustür.

    Das kann ich verstehen. Wer kann der kann.

  • Was für einen Unsinn.

    Alle angeblich guten Gründen lassen sich auch mit Briefkastenfirmen im Inland realisieren.
    Die Großen sind aufgeflogen und versuchen verzweifelt sich zu rechtfertigen.

  • Sehr geehrter Herr Zimmer,

    Einspruch! Die Guthaben sind nicht sicherer, sondern unsicherer geworden.

    Wenn wir in einer Marktwirtschaft leben würden, würde bei einer Bankenpleite jeder Einleger quotenmäßig nach Konkursquote zur Kasse gebeten werden. Jeder müsste sich also sehr genau überlegen, welcher Bank er sein Geld anvertrauen will. Für eine Fehlentscheidung trüge er im Notfall das volle Risiko. Er könnte aber auch durch die Wahl seiner Bank dafür sorgen, daß das Pleiterisiko minimiert wird.

    Diese gute alte marktwirtschaftlich-kapitalistische Welt existiert im Bankenbereich nicht mehr. Solide Banken werden in Zukunft durch das Euroregime in eine Haftungsgemeinschaft mit Pleitebanken gezwungen. Ein Einleger hat also innerhalb des Euroraums nicht mehr die Möglichkeit, sein Risiko durch die Wahl seiner Bank zu minimieren. Eine Pleitebank in einem Pleiteland der Eurozone kann wohl demnächst eine solide Bank oder Sparkasse in Deutschland mit in den Abgrund reißen.

    Innerhalb des Euro-Bankensystems wird es keinen Ausweg mehr geben. Sachwerte, die heimische Matraze und Offshorekonten sind mögliche Auswege.

    Ich selbst bewege mich keineswegs in solchen Vermögensdimensionen, daß Offshoreanlagen eine reale Möglichkeit wären (was ich keineswegs bedauere), aber ich habe Verständnis für Leute, die ihr Geld im Ausland in Sicherheit zu bringen versuchen.

  • Also ich stehe politisch rechts und bezeichne mich als Konservativer. Wie die Allgemeinheit aber auf die Aufdeckung dieses wahrscheinlich grössten Finanzskandals reagiert lässt mich an deren Vernunft zweifeln. Hier geht es nicht um die 50t€ die ein Mittfünfziger vor der Hartz4-Regelung versteckt. Hier geht es um Milliarden. Es geht ebenso um tausende von Arbeitsplätze. Es geht auch um Gesundheitsversorung und um Essen für Menschen in den ärmsten Ländern der Welt.

  • Wer in einem Staat lebt wo das nicht bezahlen der Fernsehgebuehr zur Kontopfaendung oder gar in den Knast fuehrt der ist gut beraten sein Erspartes vor diesem Staat zu verstecken. Besser noch auswandern um diesen Staat nicht weiter mit seinen Steuerabgaben zu unterstuetzen.

  • @Reiner Vogels

    Grundsätzlich einverstanden bis auf den eigentlichen Grund der Änderungen.

    Denken Sie, dass die Bankguthaben der Kunden nach diesen gesetzlichen Anpassungen sicherer geworden sind oder dass mit diesen Regelungen die Rechtsgrundlage für die Enteignungen geschaffen werden sollten.

    Es gab einmal einen bayerischen Ministerpräsidenten, der einmal gesagt haben soll: Die dümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selbst!

    Briefkastenfirmen sind gut für die, die tatsächlich Vermögen zu sichern haben. Man sollte darüber nachdenken und die Propaganda beobachten.

  • Nun es geht nicht nur darum das sich die Inhaber der Briefkastenfirmen vor vermeintlich ungerechnet Abgaben schützen.
    Es geht auch um die echten Betrüger in Nadelstreifenanzügen, welche andere Firmen und auch Privatpersonen in den Konkurs stürzen und sich danach mittels Rechtsanwälten und Firmenkonstrukten aus der Zahlungsverantwortung stehlen.

    Was wollen Sie machen wenn ein "Geschäftsmann" sich ein Gehalt von 200t€ pro Monat gewährt, aber nach wenigen Monaten Konkurs anmeldet? Betrügerische Konkurse kosten viele Arbeitsplätze von arglosen, seriösen Firmen. Im Notfall machen diese feinen Herren dann den Privatkonkurs und schreiben den Bugatti auf die Ehefrau um.

  • Sie können bei bestimmten Firmen oder Strukturen klar festlegen, ob diese (beispielsweise nach deutschen Steuerrecht) steuerlich transparent oder intransparent sein sollen. Das kann man sich auch ex ante vom deutschen Fiskus bestätigen lassen (Advanced Ruling).
    Im internationalen Steuerrechtrecht spielen diese Firmen bei der Steuergestaltungen eine Sinnvolle Rolle, ohne dass es zwingend allein durch die Offshore Registrierung zu weniger oder null Steuerzahlungen kommen muss.
    Man steckt zum Beispiel grosse Funds nie in publizitätspflichtige Firmen.

    Und zu den Journalisten kann ich nur sagen:
    Egal was man findet, was man nicht weiss, ist immer mehr oder grösser, als das was man kennt oder weiss.

    Es ist nun mal ein Menschenrecht seine Privatsphäre zu schützen.
    Ich kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Jede Firma hat einen Briefkasten.

    Sie können auch zuviel Champagner trinken und einen Unfall bauen oder es wird Ihnen schlecht oder aber man geniesst den Champagner legal ohne Schwips. So ähnlich ist es mit den Offshore Firmen. :-)

    Rechtsanwalt Dr. AS

  • Noch einmal: Im Euroraum sind alle Bankguthaben unsicher. Die mit der projektierten Bankenunion drohende Haftungsgemeinschaft solider deutscher Institute mit Banken in den Peripheriestaaten, die schon heute nur noch als Zombibanken mit Staatshilfe künstlich am Leben gehalten werden, hängt wie ein Damoklesschwert über jedem deutschen Bankkonto. Das gilt auch für Beträge unterhalb von 100.000,- Euro.

    Für kleine Geldbesitzer ist in dieser Situation die heimische Matraze die Option der Wahl, für große das Offshore-Konto. Solange das bei der Steuererklärung angegeben wird, ist das vollkommen legal.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%