Post vom Finanzamt
Was die neue Lohnsteuerkarte bringt

Wer in diesen Tagen einen Brief vom Finanzamt bekommt, sollte ihn gründlich lesen. Darin steht, was auf der neuen elektronischen Lohnsteuerkarte gespeichert wird. Viele Steuerzahler haben schon Fehler gefunden.
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DüsseldorfSie hatte jedes Jahr eine andere Farbe und kam immer im Herbst mit der Post. Arbeitnehmer mussten sie an ihren Chef weiterreichen und der konnte darauf die Steuerklasse und die Freibeträge ablesen. Doch die Lohnsteuerkarte in Papierform ist Geschichte.

Ab 2012 werden die Lohnsteuerdaten elektronisch gespeichert – in Form der so genannten Elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale, kurz: ELStAM. Dieses System wird häufig als "Elektronische Lohnsteuerkarte" bezeichnet. Zu den Abzugsmerkmalen gehören die Steuerklasse, die Religionszugehörigkeit und die Anzahl der Kinderfreibeträge. Sammelstelle für die Daten ist das Bundeszentralamt für Steuern.

In diesen Tagen bekommen Arbeitnehmer ein Schreiben von der Finanzverwaltung, in dem steht, welche elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale über sie gespeichert wurden. In einigen Bundesländern gab es dabei bereits jede Menge Probleme. Die Oberfinanzdirektion Niedersachsen beispielsweise spricht von "verschiedenen Fehlerquellen". So wurden zahlreiche Verheiratete in die falsche Steuerklasse eingetragen, weil die Identifikationsnummer ihrer Ehepartner nicht vorlag. Auch bei der Übermittlung der Meldedaten sei es durch Softwareprobleme zu Fehlern gekommen. In Nordrhein-Westfalen wurden zum Teil die Behindertenpauschbeträge nicht im System gespeichert.

Ganz überraschend kamen die Probleme für die Behörden wohl nicht. "Wegen den unterschiedlichen EDV-Systemen in den Meldebehörden und Finanzämtern rechnet die Finanzverwaltung derzeit in ein Prozent aller Fälle mit Übertragungsfehlern", sagt Daniel Moritz vom Finanzministerium NRW. Bei 40 Millionen Arbeitnehmern dürften also etwa 400.000 Beschäftigte betroffen sein. "Steuerzahler sollten die Angaben genau kontrollieren", rät deshalb Reiner Holznagel, Vizepräsident des Bundes der Steuerzahler (BdSt). Wer einen Fehler entdeckt, sollte diesen möglichst umgehend seinem zuständigen Finanzamt melden.

Neben der Steuerklasse und den Freibeträgen finden sich in der Datensammlung auch so genannte melderechtliche Daten wie Heirat, Geburt eines Kindes sowie Kircheneintritte oder -austritte. Diese geben die Gemeinden automatisch an die Finanzverwaltung weiter. Möchte der Steuerzahler beispielsweise nicht, dass sein Chef von seiner Hochzeit erfährt, kann er einzelne Angaben oder auch die gesamten ElStAM-Daten für einen oder alle Arbeitgeber sperren lassen. Den Zugang komplett zu sperren, ist aber nicht unbedingt zu empfehlen, denn der Arbeitgeber muss die Lohnsteuer dann pauschal nach Steuerklasse VI abziehen - und das ist für die Angestellten meist sehr ungünstig.

Neben der Beschränkung des Zugangs hat der Arbeitnehmer jedoch eine weitere Kontrollmöglichkeit: Über die ElStAM-Plattform kann er künftig einsehen, welche Arbeitgeber seine Daten in den vergangenen zwei Jahren abgerufen haben.

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