Projekt große Koalition
Kaum Einbußen für Steuerberater

Steuern tangieren die Wirtschaft - doch nicht jede Branche wird gleich von den schwarz-roten Plänen getroffen. Dem Handel ist die höhere Mehrwertsteuer ein Dorn im Auge. Die Baubranche hofft auf neue Aufträge. Der Finanzsektor rätselt noch über die Details der Steuerpläne.

WB DÜSSELDORF. Die Ankündigung: In der Koalitionsrunde gebe es Überlegungen, die steuerliche Absetzbarkeit der Steuerberatungskosten für Privatleute zu streichen.

Die Reaktion: Ein Aufschrei der bundesweit rund 77 000 Steuerberater. Sie fürchteten erhebliche Honorareinbußen. Der größere Teil des Steuerberatungsgeschäfts entfällt aber auf Dienstleistungen - wie Lohnbuchhaltung, Bilanzanalyse etc. - für gewerbliche Mandanten. Über die Höhe des gewerblichen Anteils vermag aber niemand in der Branche Auskunft zu geben.

Die Argumente: Die Standesvertreter argumentierten geschickt aus Verbrauchersicht. Das unübersichtliche und komplizierte deutsche Steuerrecht impliziere einen hohen Beratungsbedarf, hieß es. "Spätestens beim Vorliegen von Vermietungs- und Kapitaleinkünften brauchen Arbeitnehmer die umfassende Unterstützung, um die Steuererklärung korrekt ausfüllen zu können", ließ die Bundessteuerberaterkammer verlauten. Überdies sei der Sonderabgabenabzug "steuersystematisch unverzichtbar". Denn er sorge für die Gleichstellung von Arbeitnehmern und Gewerbetreibenden, die ihre Steuerberatungskosten als Betriebsausgaben vom Gewinn abziehen dürfen.

Die Auflösung: Inzwischen schält sich eine Präzisierung der neuen Abzugsregelung heraus. Danach sollen die Beratungs- und Erstellungsgebühren für den vierseitigen Mantelbogen und die jeweils zweiseitigen "Anlagen Kind" nicht mehr abzugsfähig sein. Alle weiteren Teile der Steuererklärung dagegen dürften weiterhin vom Berater steuerbegünstigt erstellt werden, heißt es bei der Bundessteuerberaterkammer. Damit sei das Problem weitgehend entschärft.

Denn der Mantelbogen enthält vor allem Stammdaten wie Steuernummer, Namen oder Bankverbindung, die der Steuerberater ohnehin gespeichert hat, sowie Angaben, die mehr oder minder direkt von der Lohnsteuerkarte zu übernehmen sind. Die Kosten der Dienstleistungen für die wirklich beratungsbedürftigen Teile der Steuererklärung wie die Einkünfte aus Kapitalvermögen blieben danach abzugsfähig. Damit könnten Verbraucher und Steuerberater leben.

Denn die Trennung zwischen abzugsfähigen und nicht absetzbaren Beratungskosten bringt keine neuen technischen Probleme mit sich - die verschiedenen Elemente müssen nach Steuerberatungs-Gebührenordnung ohnehin getrennt ausgewiesen werden. Und den Beratern gehen mit der neuen Regelung schlimmstenfalls zehn Prozent ihrer Honorare verloren, schätzt ein Branchen-Insider.

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