Provisionen
Wenn Steuerberater zweimal kassieren

Das Geschäftsmodell scheint doppelt clever: Ein Steuerberater empfiehlt Steuersparfonds im Auftrag einer Bank und kassiert dafür nicht nur Beratungshonorar, sondern auch eine Teilprovision. Was Kunden tun können.
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DüsseldorfWer würde nicht gern den Rat eines Experten annehmen, wenn es darum geht, bei der Geldanlage ein paar Euro Steuern zu sparen? Dass der Steuerberater mit seinem Mandanten erörtern kann, wie sich Geld steuerbegünstigt anlegen lässt, erkennt sogar der Bundesgerichtshof an (Az. IVa ZR 196/83). Kritisch wird es allerdings dann, wenn der Steuerberater versucht, seinem Mandanten im Auftrag einer Bank etwa einen Steuersparfonds zu verkaufen – und dafür anteilig Provision kassiert.

Das funktioniert dann so: Ein findiger Banker hat in seinem Vertriebsportfolio einen Fonds, der den Kunden Steuern sparen lässt. Da der Bankkunde jedoch skeptisch bleibt – ganz nach dem Motto: „Kann ich der Empfehlung wirklich trauen?“ – holt sich der Bankberater den Steuerberater als Vertriebshelfer ins Boot. Die Chance, dass der Bankkunde dem Fondskauf zustimmen wird, wenn ihn nicht nur sein Berater bei der Hausbank, sondern auch sein Steuerberater darauf anspricht, ist so gering nicht.

Für den Steuerberater scheint die Gelegenheit doppelt attraktiv: Zunächst kann er dem Mandanten Beratungshonorar berechnen. Für die Vermittlungshilfe kassiert er zusätzlich einen Teil der Provision, den die Bank für den Verkauf des Fondsanteils von der Fondsgesellschaft bekommt.

Allerdings: Lässt der Steuerberater sich auf ein solches Geschäft ein, verstößt er nicht nur gegen sein Berufsgebot, so objektiv wie möglich zu beraten. Der Steuerberater muss im Zweifel auch für Verluste aufkommen, die der Mandant durch die empfohlene Investition erlitten hat – insbesondere dann, wenn er seinem Mandanten sein Zusatzgeschäft verschweigt.

Kommentare zu " Provisionen: Wenn Steuerberater zweimal kassieren"

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  • Man muss nicht besonders darauf hinweisen, dass zwischen dem Steuerberater und seinen Mandanten ein besonderes Treueverhältnis besteht. Wenn ein Steuerberater für eine Anlageempfehlung von dritter Seite Provision kassiert, so besteht für ihn gegenüber seinem Mandanten eine Herausgabepflicht gem. § 667 BGB. Kassiert er die Provision ohne darüber seinen Mandanten zu informieren bzw. diese an ihn auszuzahlen, macht er sich u.U. wegen Untreue strafbar

  • Schon allein der letzte Satz "was Kunden tun können" zeigt mir, wie blauäugig und hilflos wohl manche Bürger sind. Einfach die Steuererklärung SELBST machen. Da muss man nicht hunderte € ausgeben, maximal 10 € für ein Programm oder 0,00 € für Elster Online. Das Leben kann so einfach sein.

  • G&T HH: Weil Sie zu dämlich sind für EU-Recht muß zu jeder ausländischen Gesellschaft auch eine deutsche gegründet werden damit der deutsche Steuerberater das auch kann. jeder Jahresabschluß kostet doppelt.

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