PwC-Modellberechnungen
Deutsche Manager zahlen überdurchschnittlich hohe Steuern

Deutsche Top-Manager werden deutlich höher besteuert als Franzosen oder Schweizer aus dem Kanton Zürich, die ein vergleichbares Einkommen haben. Dies zeigen Modellrechnungen von Pricewaterhouse-Coopers.
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DüsseldorfDie Steuerbelastung deutscher Spitzenverdiener liegt effektiv bei fast 40 Prozent. Damit werden deutsche Top-Manager deutlich höher besteuert als Franzosen oder Schweizer aus dem Kanton Zürich, die ein vergleichbares Einkommen haben. Dies zeigen Modellrechnungen der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) für das Handelsblatt (Montagsausgabe).

Die PwC-Experten analysierten dazu die Belastung eines „typischen Reichen“ in Deutschland und anderen wichtigen Industrie-Ländern. Demnach zahlt ein verheirateter Top-Manager mit Gesamteinkünften von 720.000 Euro in Deutschland effektiv fast 286.000 Euro Einkommensteuer.

Dagegen muss ein vergleichbarer französischer Manager 47.000 Euro weniger zahlen. In Zürich ist die Steuerbelastung immerhin noch 30.000 Euro niedriger als in Berlin oder Frankfurt. Deutlich höher belastet werden Top-Verdiener dagegen in den Niederlanden oder in New York.

In Frankreich hat die Regierung kürzlich aber die Einführung einer Reichensteuer jährlich angekündigt. Demnach soll die Zusatz-Steuer bei drei Prozent ab einem Einkommen von 250.000 Euro pro Jahr und bei vier Prozent ab 500.000 Euro liegen. Die Steuer ist Teil eines Paketes, das zum Abbau der Staatsverschuldung geschnürt wurde. Auch spanische Millionäre sollen einen Beitrag im Kampf gegen die Finanzkrise ihres Landes leisten. Wirtschaftsministerin Salgado hatte im September die Wiedereinführung der Reichensteuer angekündigt, entsprechende Pläne diskutiert in Italien auch die Regierung Berlusconi..

Doch wer gilt in Deutschland als reich und – wie viele Menschen sind es wirklich? Für den Fiskus ist hierzulande reich, wer als Single mehr als 250.000 Euro verdient; von diesen Steuerzahlern verlangt der Staat daher die „Reichensteuer“.

Laut Einkommensteuerstatistik sind das rund 150.000 Menschen, rund ein halbes Prozent der Steuerzahler. Lediglich 16.700 Personen verdienen mehr als eine Million Euro im Jahr. Doch sie zahlen immerhin 9,2 Prozent des Aufkommens; 20 Prozent des Gesamtaufkommens wird von einem halben Prozent der Steuerpflichtigen gezahlt.

Bloß keine Vermögensteuer

Gravierend sind die Unterschiede bei Erbschaft- und Vermögensteuer im Ländervergleich. Auf ein angenommenes 3,4-Millionen-Euro-Vermögen in Form von Bankguthaben, Eigenheim und vermieteter Wohnung müssen Manager in Deutschland, Italien, Niederlande und in New York keine Vermögensteuer zahlen. In Frankreich dagegen bezahlen sie 6.629 Euro, in Zürich 14.012 Euro und in Spanien sogar 22.342 Euro.

Stirbt der Manager nun überraschend und vererbt seinen Besitz je zur Hälfte an Ehefrau und Kind, ist dies nur in Schweiz steuerfrei. In Deutschland werden fast 240.000 Euro und in Spanien gar mehr als eine Million Euro Steuer fällig.

Kritisch zu betrachten seien die immer wieder aufkeimenden Forderungen nach einer Vermögensteuer in Deutschland, heißt es bei PwC. Derzeit werfe sicher angelegtes Vermögen Renditen ab, die unterhalb der Inflationsrate lägen. Würde dann noch eine Vermögensteuer erhoben, zehre dies an der Substanz. Außerdem sei die Steuer im Vergleich zum Verwaltungsaufwand wenig ergiebig.

In den letzten Jahren sind immer mehr Staaten dazu übergangenen, Kapitaleinkünfte niedriger als andere Einkünfte zu besteuern. „Es ist besser, 25 Prozent auf X zu haben statt 42 Prozent auf gar nix. So simpel ist die Rechnung“, sagte 2008 der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, um die Einführung einer Abgeltungsteuer für Kapitaleinkünfte zu rechtfertigen. „Arbeitseinkommen bis zu 45 Prozent Steuer, Kapitaleinkommen 25 Prozent – das kann nicht die Gerechtigkeits sein, die wir in Deutschland wollen“, schimpft dagegen Ex-Verfassungsrichter Pul Kirchhof – gegenwärtig bricht die Abgeltungsteuer dem Fiskus 13,5 Milliarden Euro pro Jahr ein; das entspricht etwa einem Zehntel des Lohnsteueraufkommens.

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  • Aus der Rechnung geht leider nicht hervor, ob PWC auch die in Frankreich exorbitanten Sozialabgaben eingerechnet hat.

    So fallen bei einem Einkommen von EUR 180,000 schon einmal EUR 15,000 für die gesetzliche Krankenversicherung an (Abdeckung 70%, die über eine private Zusatzversicherung noch aufgestockt werden muss). Hinzukommen Renten- und sonstige Abgaben, deren Verwendungszweck sich mir nach 3,5 Jahren Frankreich immer noch nicht erschließt.

    Da doch lieber deutsche Steuern!

  • Ein Vergleich mit Österreich!

    Unglaublich, welches steuerliche Potential es in Deutschland noch zu heben gilt, wenn man das mal mit Österreich vergleicht, wo den Menschen schließlich einiges mehr abgenommen wird!

    Mit der Steuerreform 2005 wurde auch die Berechnung der Einkommensteuer geändert, was laut § 33 EStG, Abs. 1 und 2 bei einem Jahreseinkommen von 10.000,00 € und darunter einen Steuersatz von 0% ausmacht, also 0 €. Weitere Zahlen:
    € 10.000,01 bis € 25,000,00 - 23 % - € 5.750,00
    € 25.000,01 bis € 51.000,00 - 33,5 % - € 17.085,00
    und ab € 51.000,01 Euro beträgt der Steuersatz 50 %

    Jetzt stelle man sich einmal vor, wie leicht sich folgendes finanzieren ließe, passte man das deutsche an das österreichische System an, was absolut nötig sein sollte, wenn man sich ohne Steuererleichterungen der Reichen und den horrenden Förderungen der Industrie nur einmal dem bürokratischen Aufwand zuwendet (und selbst das nur oberflächlich betrachtet!):

    Deutschland hat 2.800 Abgeordnete. Circa 240 zusätzliche Minister und parlamentarische Staatssekretäre, die meistens auch noch Abgeordnete sind, 900 politische Beamte und circa 7.000 Kommunalpolitiker sowie weitere 6.000 Bundestagsabgeordnete, Personen aus Parteistiftungen und anderen politischen Fraktionen, die sich alle aus den Ergebnissen der Arbeitsleistungen der real erwirtschafteten Güter und Dienstleistungen bedienen: Das sind zusammen um die 16.940 Personen - also rund 17.000.

  • Ein Vergleich mit Österreich! (Fortsetzung)

    In etwa 11.000 davon genießen besondere Privilegien, die sich in Aufwandsentschädigungen, Versorgungsregelungen, Ruhestandsgehältern, Übergangsgeldern … äußern.

    Weiters gibt es die „steuerfreie Dienstaufwandspauschale“ trotz freier Bahnfahrten und Flüge, freier Büros und Dienstwagen sowie kostenloser Hotelaufenthalte – keine Aufwende, dafür aber weiterhin Pauschalen; die „steuerfreie Kostenpauschale“, die 42.600 € pro Jahr ausmacht; die „Sachleistungspauschale“ für Briefpapier, Telephonkosten, Computerkosten, Schreibmaterial … ist mittlerweile auf 7.000 € per annum angehoben worden; die „Mitarbeiterpauschale“ beträgt derzeit 9.729 €; die „Abgeordnetendiät“ beträgt derzeit etwas über 7.000 € …

    Der Kanzler, jetzt eben die Kanzlerin, erhält neben dem Amtsgehalt (rund 200.000 € per annum) auch noch 130.000 Euro „Mandatsvergütung“, sodass das Jahreseinkommen – aber nur jenes, das für uns nachvollziehbar ist – rund 330.000 Eurolein beträgt. Das Wohnen, das Fahren, das angenehme Leben – das alles bleibt zusätzlich kostenfrei.

    Ministerpräsidenten der Länder: 160.000 + 110.000 € andere Vergütungen und Zuwendungen.

    Die Gagen der Gewerkschaftsbundbosse und die der Krankenkassenbosse werden ebenfalls in dieser Höhe vergütet, neben all den anderen Annehmlichkeiten natürlich. Dazu kommt noch, dass viele dieser Leute so ganz nebenbei auch noch Aufsichtsratsgehälter von verschiedenen Konzernen kassieren!
    Oder warum glauben Sie, hat der ehemalige amerikanische Präsident George W. Bush einmal gesagt: „Weshalb sollte ich zu den Wählern halten, wenn ich von denen ein paar hunderttausend Dollar zugestanden bekomme, während es durch Sponsorgelder aus der Industrie und anderen Institutionen einige Millionen sind?“

    Da ließen sich doch höhere Löhne auch für die unterbezahlten Politiker durchsetzen, oder nicht?

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