Räuberische Aktionäre
„Niemand will Erpresser“

Müsste der Gesetzgeber nicht viel härter gegen die Berufskläger vorgehen?

Zunächst einmal tut der Gesetzgeber ja etwas. Mit dem sogenannten ARUG, das derzeit im Rechtsausschuss behandelt wird, soll das Klagegewerbe weiter erschwert werden. Wie die Ausgestaltung letztlich sein wird und ob der Plan aufgeht, muss man abwarten. Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass viele der Klagen, die die Berufsaktionäre einreichen, auch begründet sind.

Das heißt?

Wir sollten nicht vergessen, dass diese Leute das Aktienrecht gegenüber Großaktionären und Unternehmensvorständen durchsetzen. Wenn wir die Kläger nicht hätten, wäre das Geschehen viel stärker von den Konzernen bestimmt. Im Grunde genommen haben die Berufskläger eine wichtige Kontrollfunktion.

Also sind die räuberischen Aktionäre weit besser als ihr Ruf?

Es ist zumindest sehr wichtig, bei dieser Diskussion zu differenzieren. Der Gesetzgeber tut sich aus diesem Grunde ja auch so schwer. Natürlich will niemand, dass ein Unternehmen wegen eines kleinen Formfehlers in der Hauptversammlung mit einer Anfechtungsklage von einzelnen Aktionären erpresst wird. Einige von den Pappenheimern sind schließlich deswegen auch strafrechtlich belangt worden. Allerdings will auch niemand einen Kapitalmarkt, auf dem die Aktionäre über keinerlei Klagemöglichkeit verfügen – und somit ihre Kontrollfunktion nicht wahrnehmen können.

Professor Theodor Baums lehrt Wirtschaftsrecht an der Goethe-Universität in Frankfurt

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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