Reform
Mehr Klarheit bei der Erbschaftsteuer

Erben von Wohnimmobilien und Unternehmen sehen klarer: Die Länder haben Erlasse zum neuen Erbschaftsteuer- und Bewertungsrecht veröffentlicht. Sie enthalten wichtige Konkretisierungen zur Gesetzesreform. Steuerexperten erklären im Handelsblatt, was die Anweisungen der Finanzverwaltung für Erben bedeuten.

KÖLN. Erben können etwaige Steuerlasten jetzt genauer berechnen und damit besser Gestaltungsspielräume nutzen. Für absolute Rechtssicherheit sorgen die Ländererlasse aber nicht. Manche Fragen bleiben weiterhin unbeantwortet.

Wohnungseigentum

Selbst genutztes Wohneigentum kann auf überlebende Ehepartner oder Kinder steuerfrei übertragen werden. Voraussetzung: Die Begünstigen bleiben im Eigenheim mindestens zehn Jahre lang wohnen. So steht es im Gesetz. Der jetzt vorgelegte Ländererlass geht aber noch weiter. "Er verlangt, dass der Erbe das Familienheim als Eigentümer bewohnt", sagt Peter Fabry, Geschäftsführer der Rölfs Partner Steuerberatungsgesellschaft in München. "Das kann selbst in Fällen einer unentgeltlichen Übertragung an die nächste Generation unter Vorbehalt eines Nießbrauchs oder eines Wohnrechts zu einer nachträglichen Steuerpflicht führen", erklärt Fabry.

Kann die Immobilie vom Erben nicht selbst genutzt werden, bleibt es bei der Steuerbefreiung. Die Voraussetzungen dafür sind aber streng. Die Finanzverwaltung verlangt nach dem Ländererlass ausdrücklich, dass objektiv zwingende Gründe entgegenstehen. "Das ist etwa der Fall bei einer Pflegebedürftigkeit, die eine eigene Haushaltsführung nicht mehr zulässt", sagt Fabry. "Eine berufliche Versetzung reicht hingegen nicht."

Liegen nach Auffassung der Finanzverwaltung objektiv zwingende Gründe vor, kann die Wohnimmobilie sogar verkauft werden. Doch hier ist Vorsicht geboten: "Fallen die Gründe innerhalb der Zehnjahresfrist weg, muss die Selbstnutzung unverzüglich wieder aufgenommen werden", sagt Fabry. Sonst wird nachträglich besteuert. Der Steuerberater rät aufgrund dieser "merkwürdigen Regelung" dringend von einer Veräußerung ab. Wer die strengen erbschaftsteuerrechtlichen Regelungen umgehen will, überträgt seine Wohnimmobilie am besten schon zu Lebzeiten. "Das geht steuerfrei aber nur an den Ehepartner, nicht an die Kinder", so Fabry.

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