Richtig Enterben
So bekommen Ihre Kinder keinen Cent

Dass Eltern ihren Kindern einen Teil ihres Vermögens als Erbe hinterlassen, ist üblich. Doch was, wenn die Familie zerstritten ist und die Kinder nichts bekommen sollen? Es gibt mehrere Möglichkeiten, sie zu enterben.

Frankfurt„Ich enterbe dich!“ – Dieser Satz wird in Filmen immer wieder fallen gelassen. Grund ist meist eine nicht standesgemäße Ehe, ein angeblich schwerer Verrat an der Familie oder ein Streit mit dem Familienoberhaupt. Aber auch in der Realität gibt es Zerwürfnisse in Familien, die Eltern veranlassen, ihre Kinder zu enterben.

Nahe Angehörige vollständig leer ausgehen zu lassen, ist jedoch gar nicht so einfach, sagt Ursula Seiler-Schopp von der Deutschen Vereinigung für Erbrecht und Vermögensnachfolge. Denn grundsätzlich steht Kindern beim Tod der Eltern ein Pflichtteil zu – auch wenn die Eltern sie im Testament nicht erwähnen.

Die Aufteilung ist gesetzlich vorgegeben: Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des Anteils, der ihnen gesetzlich zusteht, wenn es kein Testament gibt. Hinterlässt also ein Witwer zwei Kinder, möchte aber nur eines beerben, erhält das enterbte Kind einen Pflichtteil von einem Viertel und das andere Kind die übrigen drei Viertel des Vermögens.

Doch nicht nur Kinder haben das Recht auf einen Teil des Erbes, sondern auch Ehegatten und Eltern. Bei letzteren grenzt Seiler-Schopp jedoch ein: „Eltern verlieren ihren Anspruch, falls die verstorbene Person selbst Kinder hat.“ Lebenspartner, die nicht mit der verstorbenen Person verheiratet waren, hätten hingegen kein Recht auf einen Pflichtteil, sagt die Fachanwältin für Erbrecht.

„Damit ein Angehöriger nur den Pflichtteil erhält, muss man einfach ein Testament anfertigen und eine andere Person als Erben einsetzen. Damit sind alle anderen automatisch enterbt“, erklärt Claus-Henrik Horn, Fachanwalt für Erbrecht. Werden die Enterbten jedoch anschließend nicht selbst aktiv, erhalten sie nicht einmal ihren Pflichtteil.

„Die Kinder müssen an den Erben herantreten und ein Verzeichnis über den gesamten Nachlass fordern. Zudem müssen sie ihren Pflichtteil geltend machen“, sagt er. Dazu haben die Pflichtteilsberechtigten drei Jahre Zeit. Und: Die Frist beginnt erst zum 1. Januar des Jahres nach dem Todesfall.

Auch bei einem sogenannten „Berliner Testament“, einem Testament, in dem sich die Ehepartner gegenseitig als Erben einsetzen und die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Ehepartners erben, haben die Kinder schon beim ersten Todesfall den Anspruch auf einen Pflichtteil.

„In diesem Fall wird häufig eine Pflichtteilsstrafklausel ins Testament aufgenommen. Wer im ersten Erbfall den Pflichtteil geltend macht, erhält auch im zweiten Erbfall nur den Pflichtteil“, so Horn. Grundsätzlich werde der Pflichtteil immer in Geld ausbezahlt. „Der Pflichtteilsberechtigte darf keine Gegenstände oder Erinnerungsstücke verlangen.“

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Wer im Gefängnis war, kann leer ausgehen

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